Zeit für Urlaub in Afghanistan

Es herrscht Krieg in Deutschland. Während sich die Großkoalitionäre Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier in aller Öffentlichkeit duellieren, treten die Wortführer der drei oppositionellen Bundestagsparteien in einem „Dreikampf“ gegeneinander an. Diese Metzeleien kosten freilich Kraft.

Unsere Spitzenpolitiker haben sich daher nach all den kräftezehrenden Wahlkampfhandlungen einen Erholungsurlaub redlich verdient. Mein Vorschlag an die müden Recken: Machen Sie Ferien in Afghanistan! Hier finden Sie eine Oase des Friedens. Schon seit Jahren bemühen sich die Gastgeber mit großer Hingabe darum, diesen Frieden mit allen Mitteln zu sichern.

Die moderne Freizeitanlage in dem landschaftlich reizvollen Gebiet ist mit einem reichhaltigen Animationsangebot ausgestattet. Wo sich Fuchs und Dingo „Gute Nacht“ sagen, treffen sich die Sommerfrischler in einem komfortabel eingerichteten Klub mit dem heimeligen Namen „Provincial Reconstruction Team“.

Die örtlichen Betreuer aus dem Ministerium für Liebe sorgen sich umfassend um das leibliche Wohl ihrer Schützlinge. Unter anderem steht ein „Close Air Support“ zur Verfügung. Unterhalten werden die Erholungssuchenden zum Beispiel mit einer eindrucksvollen „Show of Force“ und einem bunten Feuerwerk von „Flares“, wie jüngst am 16. September südlich des Feriendorfes Kundus.

Die coolen Animateure sagen einfach TIC

Stören Sie sich bitte nicht an den vielen amerikanischen Bezeichnungen. Sie sind ein Zeichen für den hohen Unterhaltungswert dieser Veranstaltungen. Wer besonderes Glück hat, kann bei einem „TIC“ – das ist die Abkürzung für „Troops in Contact“, aber die coolen Animateure sagen einfach TIC – neue Leute treffen und andere Kulturen kennenlernen.

Seien Sie gewiß, daß diese Begegnungen aufgrund ihrer munitiösen Vorbereitung unvergeßlich sein werden. Außerdem sind in den „Operational Mentoring and Liason Teams“ noch ein paar Plätze frei, in denen Sie Land und Leuten deutsches Wesen näherbringen dürfen – Knisterfaktor garantiert!

Schlechtgelaunte Urlaubsmuffel sprechen davon, in Afghanistan gebe es „Krieg“. Diese gewagte Behauptung ist doch nichts anderes als der Auswuchs einer gezielten Kampagne, deren Ziel es ist, den Tourismus dieses aufstrebenden Landes zum Erliegen zu bringen. Aufgeklärte Zeitgenossen sprechen hingegen von einem „Stabilisierungseinsatz“, von „friedenssichernden Maßnahmen“ oder besser von einer „Mission zur Unterstützung des Staatsaufbaus“.

Nutzen wir den Ausdrucksreichtum unserer Sprache! Martialische Worte sind nur dort angebracht, wo es nicht wehtut. Besuchen Sie Afghanistan! Krieg ist Frieden. Freiheit ist Sklaverei. Unwissenheit ist Stärke.

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