Pro Reli: Lassen sich die Berliner linken?

Der Spiegel hat heute in seiner gedruckten Ausgabe doch noch die Kurve gekriegt und den Aufsatz „Schule braucht Religion“ gedruckt, in dem sich der Präsident der Humboldt-Universität Christoph Markschies für Pro Reli einsetzt. Vor einer Woche hatte das Hamburger Nachrichtenmagazin ein Plädoyer der Schriftstellerin Julia Franck dagegen veröffentlicht. Franck hatte den Ethikunterricht als Pflichtfach verteidigt und Pro Reli „Mißtrauen dem Staat gegenüber“ unterstellt.

Am Sonntag entscheiden die Berliner in einem Volksbegehren über den Antrag Religion wieder zu einem gleichberechtigten Schulfach zu machen. Derzeit gibt es an staatlichen Schulen in der Hauptstadt nur Ethik als kommunistisch-atheistischen Gegenentwurf. Religion kann freiwillig zum Unterricht hinzugewählt werden. Aber welcher Schüler macht das schon?

Der Ausgang des Referendums ist ungewiß. Der Erhalt des Flughafens Tempelhof ist vor einem Jahr trotz Mehrheit an etwa 50.000 fehlenden Stimmen gescheitert. Wenn es nur um die Argumente ginge, dann müßte Pro Reli haushoch gewinnen. Die Initiative will, daß Berliner Schulkinder mehr Wahlfreiheit haben, indem Religionsunterricht mit Ethikunterricht gleichberechtigt wird. Dagegen gibt es kein vernünftiges Argument.

Die jetzige Regelung sieht so aus: Der Staat zwingt Schulkinder zum atheistischen Staatsbürgerkunde-Ersatzunterricht und stellt es ihnen frei, auch noch Religionsunterricht zu wählen. Wenn Pro Reli gewinnt, können Eltern und Schüler frei entscheiden, ob sie Ethik wollen oder Religion. Also ist Pro Reli für mehr Freiheit und weniger Zwang.

Die linken Parteien greifen zu allerlei argumentativen Winkelzügen, um diese einfache, für jeden auf Anhieb durchschaubare Tatsache zu verdrehen: So plakatiert die Linkspartei den Satz „Religion ist freiwillig – damit das so bleibt, am  26. April mit Nein stimmen!“ Die Linkspartei tut so, als würde Pro Reli jeden zum Kirchgang zwingen und das Christentum zur Staatsreligion erheben wollen.

Das linke Bündnis Pro Ethik fordert „Laßt uns beides: Ethik plus Religion! Nein zum Wahlzwang!“ und suggeriert damit, daß ein „Ja“ bei der Abstimmung Zwang bedeutet. Das Gegenteil ist wahr. Derzeit werden Kinder zum Ethikunterricht gezwungen. Kein Wort dazu von Pro Ethik.

Die SPD schließlich plakatiert den Satz: „Ethik oder Religion – wir machen beides!“ Die Partei tut so, als wären Religion und Ethik bereits gleichberechtigt, was Pro Reli jetzt abschaffen will. Auch das entspricht nicht der Wahrheit.

Kurzum: Die politische Linke versuchen die Berliner für dumm zu verkaufen. Frau Francke, die vor einer Woche im Spiegel ins gleiche Horn stoßen durfte, hatte absolut recht: Pro Reli ist mißtrauisch gegenüber dem Staat. Aus gutem Grund. Wer angesichts dieser Verblödungskampagne von links nicht mißtrauisch wird, der tauscht auch Gold gegen Glasperlen oder investiert sein Geld im amerikanischen Immobilienmarkt. Mißtrauen gegenüber dem Staat ist erste Bürgerpflicht. Vor allem, wenn der versucht die Wähler für dumm zu verkaufen.

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