Novembertage

Dunkel, feucht und modrig ist der November. Es ist daher wohl kein Zufall, daß dieser Monat so reich an meist düsteren Gedenktagen ist.

Der Reigen beginnt mit Allerheiligen am 1. November, an dem in der Katholischen Kirche der Heiligen gedacht wird, der nächste Tag ist als Allerseelen den Verstorbenen gewidmet. Der 11. November ist im katholischen Kirchenjahr der Martinstag als Festtag des heiligen Martin von Tours.

Die evangelische Kirche kann mit dem Buß- und Bettag aufwarten, der gewöhnlich auf den Mittwoch vor dem letzten Sonntag des evangelischen Kirchenjahres fällt – letzterer ist als Toten- oder Ewigkeitssonntag das evangelische Pendant zu Allerseelen. Die Katholische Kirche feiert dann, am letzten Sonntag vor dem 1. Advent, den weniger bekannten Christkönigssonntag.

Die politischen Gedenktage fügen sich in Deutschland vollkommen in diesen recht finsteren Rahmen ein, der aber durch den 1. Advent, der in vier von sieben Fällen in den November fällt, aufgehellt wird. Der 1919 zum Gedächtnis an die gefallenen deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs vorgeschlagene Volkstrauertag liegt seit 1926 zwei Sonntage vor dem 1. Advent.

„Kampftag gegen Faschismus

Die Nationalsozialisten widmeten ihn 1934 zum „Heldengedenktag“ um, die Geschichtspolitik der DDR reagierte darauf mit dem „Internationalen Gedenktag für die Opfer des faschistischen Terrors und Kampftag gegen Faschismus und imperialistischen Krieg“, während man in der Bundesrepublik an die Tradition der Weimarer Republik, freilich um die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs erweitert, anknüpfte.

Kein offizieller, aber ein faktischer Gedenktag ist der 9. November, an dem man sich über den Fall der Berliner Mauer vor zwanzig Jahren freuen, aber zugleich auch an die Pogromnacht („Reichskristallnacht“) von 1938 erinnern soll, während nicht ganz sicher ist, ob der 9. November 1918 mit der Abdankung des Kaisers, der Ausrufung der „deutschen Republik“ durch Philipp Scheidemann sowie der Räterepublik durch Karl Liebknecht eher ein Tag der Freude oder der Trauer ist.

Klarer ist der Fall zwei Tage später: Am 11. November um 11.11 Uhr beginnt mit dem Karneval, jedenfalls für diejenigen, die sich daran beteiligen, die närrische Zeit, auch wenn es zuweilen vorkommt, daß Politiker, die mit dem Gedenken gar nicht mehr aufhören können, den Narren ihren Spaß vermiesen, wie jüngst in Dresden geschehen, wo die Oberbürgermeisterin die Feier absagte, weil an diesem Tag auch das Urteil im Prozeß um den Mord an der Ägypterin Marwa al-Schirbini verkündet wurde.

Wieder etwas verwirrender ist das Gedenken an einen ganz bestimmten 11. November, nämlich den von 1918, an dem das Deutsche Reich kapitulierte, womit zwar der Erste Weltkrieg endete, weshalb die Bundeskanzlerin dieses Jahr an den französischen Sieges- und Friedensfeierlichkeiten teilnahm, der Zweite aber durch die Bestimmungen des Versailler Vertrages wesentlich mitvorbereitet wurde.

Am 19. November ist Welttoilettentag

Auf jeden Fall traurig ist man aber am 10. sowie am 15. November – den Tagen, an denen sich der Nationaltorwart Robert Enke das Leben nahm und die Nation im Beisein höchster Politprominenz im mit 40.000 Besuchern angefüllten Stadion seines Bundesligavereins Hannover 96 von dem Fußballspieler, der nächstes Jahr bei der WM vielleicht das Tor gehütet hätte, Abschied nahm.

Da das offizielle Deutschland derzeit noch vor Trauer gelähmt ist, konnte auch noch nicht entschieden werden, welcher dieser beiden Tage zum Gedenk- oder womöglich gar zum Feiertag erhoben wird, sofern wir uns in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten überhaupt noch weitere Feiertage leisten können.

Und schließlich gibt es noch den Welttoilettentag am 19. November: Im Jahr 2001 wurde er von der World Toilet Organization (WTO) ausgerufen, um auf die unzureichende Versorgung mit sanitären Anlagen und daraus resultierende Krankheiten in vielen Entwicklungsländern hinzuweisen. Vielleicht können Sie ja, wenn Sie an diesen düsteren Novembertagen die Toilette benützen, auch einmal daran denken.

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