Nicht links, sondern …?

In einem in der Welt veröffentlichten Gespräch zwischen Professor Arnulf Baring und dem neuen Shooting-Star unter den nicht-linken Autoren, dem Spiegel-Redakteur Jan Fleischhauer, lesen Sie vieles von dem, was Sie vertieft auch in der JUNGEN FREIHEIT wiederfinden.

Fleischhauer hat mit seinem Buch „Unter Linken“ eine amüsante Abrechnung mit seinem linken Umfeld in Elternhaus, Schule, Uni und Medienbetrieb vorgelegt. Und da es so wenig dezidierte Nicht-Linke in der veröffentlichten Meinung gibt, wird er nun herumgereicht und darf erzählen.

Für JF-Leser nichts Neues

Im Plauderstündchen mit Baring für die Welt reihen sich die politisch unkorrekten Zitate nur so aneinander, aber es gibt auch einen klaren Auftrag: „Ich beobachte in Deutschland eine merkwürdige Selbstverzagung der Konservativen, ein unangenehmes Beleidigtsein über die Ausgrenzung der Welt, die sie stigmatisiert. Natürlich ist die Begriffsmacht der Linken stärker, auch die Bezichtigungsbereitschaft. Aber solange sie ins Bierglas flennen oder sich in kleinen Hintergrundzirkeln groß tun, wird das nichts mit den Konservativen“.

Meint Fleischhauer und hat recht. „Auch dort (in den USA) waren die Konservativen lange marginalisiert, bis sich in den sechziger Jahren, angeführt von Norman Podhoretz und William Buckley, ein paar Leute aufmachten, Zeitschriften gründeten, Gleichgesinnte und Freundeskreise um sich scharten, Netzwerke bildeten, Sponsoren fanden, alles mit dem Ziel, die Meinungsführerschaft der anderen Seite herauszufordern. Daraus ist eine riesige Bewegung geworden, die streckenweise sogar die kulturelle Hoheit erobert hatte, wie nun wiederum die Linken in Amerika beklagen“, für Criticón– und JF-Leser sicherlich nichts Neues, für Welt– und Spiegel-Abonnenten aber vielleicht schon.

„Die nächste bürgerlich, bitte“

Aber die von Baring und Fleischhauer diagnostizierte Verzagtheit der deutschen Konservativen ist auch eine Selbstdiagnose. Ob sie denn als dezidierte Nicht-Linke nicht rechts seien? Nee, bürgerlich sagt der eine, eigentlich ja liberal, sagt der andere.

Hm, denke ich mir: Das sind ja nun zwei kluge Köpfe, vielleicht haben die ja recht. Also probierte ich es gleich mal aus und sagte meinem Taxi-Fahrer: „Die nächste bürgerlich, bitte“. Er schaut mich verständnislos an. „Entschuldigen Sie, an der T-Kreuzung liberal bitte!“, lege ich nach. Er fährt kopfschüttelnd weiter. „Rechts!“, rufe ich nun, um mir die zwei Euro für den Umweg zu ersparen. „Ach, Sie Döskopp, sagen Sie das doch gleich!“

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