Kinder unserer Gesellschaft

Zugegeben, auch ich habe am vergangenen Mittwoch „Erwachsen auf Probe“ auf RTL angeschaut. Schließlich war die Diskussion über die Sendung in den Medien nicht zu übersehen: Sechzig Verbände und Organisationen hatten RTL eine Erklärung überreicht und gegen die Ausstrahlung protestiert. Der Kinderschutzbund war entsetzt und warnte vor Kindesmißhandlung und Verletzen der Menschenwürde. Sogar eine Klage mit dem Ziel, die Ausstrahlung verbieten zu lassen, gab es, doch wurde sie vom Verwaltungsgericht Köln abgewiesen.

Alles übertrieben, dachte ich. Schließlich sollen sich in der Sendung Jugendliche um ein paar ausgeliehene Babys kümmern. Und das alles unter ständiger Beobachtung der Eltern via Videoüberwachung. Natürlich wußte ich, was bei einer solchen „Doku-Soap“ auf mich zukommen würde, doch wie unerträglich solcher Sozialporno ist, das hatte ich nicht erwartet.

Andere Kulturen als Vorbild

„Erwachsen auf Probe“ ist eine Art Eltern-Tüv für Teenager. Vier junge Pärchen mit Kinderwunsch sollen sich als Eltern üben – und dabei gnadenlos versagen. Denn genau darum geht es: um die Blamage der Jugendlichen. Sie wirken dumm, tollpatschig, unfähig und faul. Lediglich Fremdschämen und ein wenig Schadenfreude kann das Millionenpublikum für sie empfinden, wenn sie bei der Säuglingspflege an ihre Grenzen geraten.

Bereits im Voraus weiß man, daß die Jugendlichen nicht erfolgreich sein können. Denn das wäre gegen das pädagogische Konzept der Sendung. Im Gegenteil sie sollen durch Niederlage lernen, daß sie nicht in der Lage wären, ein Kind groß zu ziehen. Daß sie noch lange nicht reif sind für ein Baby und daß ihr Kinderwunsch überhaupt lächerlich ist.

Dabei ist solch ein Wunsch nie lächerlich, nur unreif sind die Jugendlichen für die Aufgabe als Eltern dennoch. Doch nicht wegen ihres Alters, wie in der Sendung suggeriert wird. Schließlich es gibt durchaus Kulturen, in denen Frauen mit sechzehn, siebzehn oder spätestens achtzehn Jahren Kinder bekommen. Es ist auch noch nicht so lange her, da war dies hierzulande ebenso.

Kinder als Nebenprodukt

Nein, die Jugendlichen der Sendung sind unfähig, ein Kind großzuziehen, weil sie ein typisches Produkt dieser Gesellschaft sind. Einer Gesellschaft, in der Kinder keinesfalls Ziel oder gar Lebensinhalt sein dürfen, sondern höchstens ein nettes Nebenprodukt. Jugendliche werden hierzulande nicht auf eine Elternschaft vorbereitet. Im Gegenteil, sie werden dazu erzogen, wie sie der „Schwangerschaftsfalle“ möglichst lange entgehen können.

Daß es also in einer solchen Kultur immer noch Jugendliche gibt, die sich Kinder wünschen, sollte keineswegs als negativ angesehen werden. Anlaß zum Nachdenken sollte viel mehr deren Unreife und Unfähigkeit und die daraus resultierenden Konsequenzen bieten. Denn ganz ehrlich: Bei so viel geballter Dummheit und auch Faulheit, wie ich sie am Mittwoch auf RTL gesehen habe, bin auch ich ganz froh, wenn die vier Pärchen sich noch nicht in nächster Zeit reproduzieren.

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