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Jesus und Aisha – Mystik und Überlieferung

Mit seinen neuen Titeln „Aisha“ (Band 1: „Das Juwel von Medina“; Band 2: „Das Erbe des Propheten“) und „Jesus – Die Geschichte eines Menschen“ beweist der Schweizer Pendo-Verlag ein enormes Gespür für den Zeitgeist. Dabei ist es gar nicht leicht, Originelles über die aktuellen Dauerthemen Christentum und Islam zu publizieren.

Beides sind belletristische Werke, die letztlich das gleiche Gegenwartsproblem aufgreifen und eine Richtung zu dessen Lösung andeuten. Der „Aisha“-Roman, von der amerikanischen Journalistin Sherry Jones verfaßt, schildert das Leben der Ehefrau des Propheten Mohammed. Zeigt, wie sie als „wildes Kind“ mit einem Holzschwert die Straßen unsicher macht, in jungen Jahren Mohammed heiratet und in ihm einen verständnisvollen Lebenspartner findet.

Es sind seine Angehörigen, die sein Werk, den Islam, später verfälschen werden. – Sein Werk? Nein, bei Sherry Jones ist der Islam die gemeinsame Kreation von Mohammed und Aisha. Nach seinem Tod wird sie maßgeblich zu seiner Verbreitung beitragen. Die Erzählung von Aishas Leben ist zugleich eine Adaption, die sie als emanzipierte Frau malt und die humane Seite des Islam maximal betont. Ein Brückenschlag zum Westen.

Ebenso verfährt das Jesus-Buch von Paul Verhoeven. Paul Verhoeven? Ist das nicht der Regisseur von Filmen wie „Basic Instinct“, „Showgirls“, „Starship Trooper“?
Genau. Der wollte nämlich einen Christus-Film drehen, aber Hollywood winkte ab. Zu sehr war man noch durch Martin Scorseses Skandälchen „Die letzte Versuchung Christi“ (1988) verunsichert. So hat Verhoeven sein Treatment mit Kommentaren in Buchform publiziert. Seit 1986 in religionswissenschaftliche Studien vertieft, plante der niederländische Regiestar einen Film, der historisch-kritischen Ansprüchen genügt, ohne seinen Titelhelden deshalb zu „verkleinern“.

Das Gemeinsame von „Aisha“ und „Jesus“ ist: Beide Bücher stellen die Gründung einer Weltreligion dar, stellen dessen Überlieferung in Frage, aber das ursprüngliche Werk als wertvoll heraus. Über Bord geworfen wird die formprägende Wirkungsgeschichte.

Aber anders als in der klassischen Aufklärung geht es nicht um Rationalisierung, um die Eindampfung der Religionen auf einige Vernunfts-Sätze. Das Vorgehen erinnert eher noch an das der Mystiker, die überlieferte Formen zugunsten religiöser Direkterfahrung relativierten. Christliche, muslimische, hinduistische Mystiker – sie alle sahen in den Religionen Ausdrucksformen, Sprachen für das Unsagbare, ähnlich der Lyrik. Nicht auf Vernunft, auf die – letztlich gemeinsame – Erfahrung des Unsagbaren wird rekurriert. Weshalb es in der Geschichte wenig religiöse Auseinandersetzung zwischen ihnen gab.

Aber ganz ohne Form geht es doch nicht. Jedoch unterliegt die dem Wandel. Wichtig ist nur, was von den alten Formen ins Neue übernommen und was verworfen wird. Es dürfte in der modernen Gesellschaft, die kaum als homogen zu bezeichnen ist, sehr viele Formen geben. Keine davon ist ein Rückschritt gegenüber den traditionellen, solange das Unsagbare, Mystische durch sie erfahrbar ist.

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