Joachim Kuhs

 

Bildungsbilder

Nun prangt sie wieder unübersehbar von den Wahlplakaten aller Wohlmeinenden, die Bildung. Bildung tut gut, Bildung für die Zukunft und ähnlicher Allgemeinheiten mehr, gefällig bebildert mit eifrigen Erstkläßlern und anderen freundlich-nichtssagenden Darstellungen. Bildung geht ja auch fast alle etwas an, und jeder meint mitreden zu können. Bildung mobilisiert Eltern, Wähler, Politiker und viel Geld. Nur: Was damit so angestellt wird, hat mit Bildung recht wenig zu tun.

Denn in den Köpfen der verantwortlichen Schul- und Bildungspolitiker herrscht ökonomistischer Stumpfsinn vor. Er hat, schlimmer noch, selbst schon die Gedanken vieler Eltern und Erziehungsberechtigter infiziert und kommt von dort als Forderung an „die Politik“ zurück.

Schule, so der unausgesprochene Konsens, der allen „Bildungs“-Debatten wie selbstverständlich zugrunde gelegt wird, hat die Absolventen mit allerlei nützlichen Fertigkeiten auszustatten, mit denen sie sich schnell und reibungslos als schnurrende Rädchen in die Berufs- und Arbeitswelt einpassen können. Was nicht in die Bewerbung paßt, sollte auch im Lehrplan nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Es zählen nur die Ergebnisse

Das Resultat kennt jeder, der Kinder im schulpflichtigen Alter hat. Grundschulenglisch ist ein Muß, am besten schon im Kindergarten, gerne auch Mandarin, Französisch lieber nicht, das sprechen in der globalisierten Welt ja nur so wenige. Es gilt gemeinhin als „Investition in die Bildung“, wenn man Schulen mit Computern vollstellt und Präsentationstechnik und freien Vortrag möglichst schon ab der ersten Klasse üben läßt.

Kurzum, den Erwerb elementarer Kulturtechniken, die unerläßliche Voraussetzung für den Erwerb von Bildung, halten viele schon für Bildung selbst. Es zählen nur die Ergebnisse und nicht das Öffnen von Wegen und Horizonten.

Noch radikaler ziehen das die Sozialingenieure durch, in deren Hände das Schulwesen seit Ende der sechziger Jahre gefallen ist. Bildung für alle heißt Abitur für alle – notfalls senkt man eben die Anforderungen. Allzu hoch darf man die Maßstäbe ohnedies nicht anlegen, wenn nicht mal mehr selbstverständlich ist, daß sich Lehrer und Schüler in derselben Sprache verständigen können.

Schule als gesellschaftlicher Reparaturbetrieb

Schule ist in dieser Sicht gesellschaftlicher Reparaturbetrieb: sie soll die Gewalttätigen friedlich, die Unerzogenen sozialkompatibel, die Mädchen zu Aufsteigern und die Jungs zu Softies machen, die Integrationsverweigerer eingliedern und die politisch Unkorrekten umerziehen.

Und weil man den Eltern nicht traut, hätte man am liebsten die verpflichtende Ganztagsschule, die den „professionellen“ staatlichen Erziehern den totalen Zugriff sichert und den Eltern das Dazwischenpfuschen so schwer wie möglich macht. Zum Beispiel mit Klavierstunden oder anderem unproduktiven bürgerlichen Schnickschnack.

Wer die Jugend hat, hat die Zukunft – das wußten totalitäre Ideologen von jeher.

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