Klaus-Rüdiger Mai Die Zukunft gestalten wir!

 

Bewaar die taal, van Gaal!

Von Natur aus liegt es mir fern, irgend etwas am FC Bayern München zu loben. Für einen Anhänger des 1. FCN – ja, das ist der Verein, der in der Tabelle vor Hertha BSC liegt – gibt es zudem ein klares Fußball-Weltbild: dort die Bayern, hier die Franken. Doch die Haltung des Bayern-Trainers Louis van Gaal zur deutschen Sprache nötigt selbst mir als Anhänger des „Clubs“ Bewunderung ab.

Er ist ein mustergültiger Einwanderer: Bevor Aloysius Paulus Maria „Louis“ van Gaal am 1. Juli dieses Jahres sein Amt in München antrat, büffelte er erst einmal richtig Deutsch. Zwar hatte er Hochdeutsch bereits in der Schule gelernt, aber das reichte ihm nicht. Eine Woche lang paukte er mit Hilfe eines Privatlehrers täglich von 9 bis 18 Uhr die deutsche Sprache. Um ungestört üben zu können, wollte er sich ursprünglich sogar in ein Kloster zurückziehen. Doch die Ehefrau hatte dagegen Einspruch erhoben.

Integration ist machbar, auch beim FC Bayern

Deutsch als alleinige „Amtssprache“ einzuführen, war eine der ersten Maßnahmen van Gaals als Bayern-Trainer. Alle Besprechungen finden nun auf deutsch statt. Inzwischen ist das sogar in einem schriftlichen Verhaltenskatalog festgehalten. Denn die Edelfußballer des FC Bayern München kommen aus aller Herren Länder, weswegen die Verständigung unter den Spielern bisweilen schwierig ist. Van Gaals Vorvorgänger Jürgen Klinsmann hatte noch alle Spieler dazu verpflichtet, Fremdsprachen zu lernen. – Auch die deutschen Spieler nahm er davon nicht aus! Klinsmann war sogar so weit gegangen, Englisch als zweite „Amtssprache“ einzuführen.

Ganz anders und überhaupt nicht abgehoben verhält sich dagegen Louis van Gaal. Er stellte klar: „Wer in Deutschland spielt, muß sich der Kultur anpassen. Dazu gehört die Sprache.“ Auf ein solch eindeutiges Bekenntnis zur Leitsprache muß man bei zahlreichen deutschen Politikern lange warten. Der FC Bayern München also als Modell für erfolgreiche Integrationspolitik?

In welchem Land befinden wir uns gerade?“

Wie ernst es van Gaal ist, wird anhand der folgenden Begebenheit deutlich: Anfang Oktober wollte der Spiegel-Mitarbeiter Juan Moreno mit dem Trainer des FC Bayern München ein Gespräch führen. Moreno bot sogleich an, das Gespräch auf englisch oder spanisch zu führen – Sprachen, die van Gaal gut beherrscht. Doch der antwortete: „In welchem Land befinden wir uns gerade, was denken Sie?“ – Das Gespräch fand auf deutsch statt. Dies sicherte van Gaal einen Platz auf der Vorschlagliste für den „Sprachwahrer des Jahres“. Die Abstimmung läuft noch bis zum 31. Januar 2010!

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