Martin Luther
Martin-Luther-Denkmal in Worms: Wortmächtiger Reformator Foto: picture alliance / Uwe Anspach / dpa

Streiflicht
 

Donnerkerl aus Wittenberg

Im Mai wird mein ältester Sohn konfirmiert. Welche Prägung erhält er dadurch? Ich stamme aus einer evangelischen Familie. Und wie so viele Konservative kämpfe ich immer wieder mit mir, diese Institution zu verlassen, die sich häufig wie eine politische Vorfeldorganisation der SPD oder der Grünen verhält, statt das Evangelium zu verbreiten. Zum Jubiläum der Reformation vor 500 Jahren ist die evangelische Kirche gezwungen, sich ihres sperrigen Initiators Martin Luther zu erinnern, jenes „Donnerkerls“, wie ihn der erzkatholisch-konservative Publizist Matthias Matussek in einem Artikel kürzlich nannte.

Eine Flut von Büchern überschwemmt zum Reformationsjubiläum den Markt und zeichnet ein beliebiges und weichgespültes Bild des Rebellen aus Wittenberg. Der FAZ-Feuilletonchef Jürgen Kaube warf kürzlich der EKD treffend vor, im Jubiläumsjahr „Produktpiraterie“ zu betreiben, weil sie Luther hemmungslos vermarkte, die eigene Gesinnung sei jedoch „von Luthers Ideengut und Temperament so weit entfernt wie nur irgend denkbar“: „Es steht ‘Luther’ drauf, aber es ist kein Luther drin.“

„Prophet der Deutschen“ im doppelten Wortsinn

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Ansporn für die JUNGE FREIHEIT, ein eigenes Buch herauszugeben und mit ihm an das Erfolgsbuch „Deutsche Geschichte für junge Leser“ anzuknüpfen, das 2015 über 15.000mal verkauft wurde. Der Autor, Karlheinz Weißmann, selbst evangelischer Religionslehrer, schildert im jetzt erschienenen Werk Leben und Wirken Martin Luthers in einer Weise, daß dem EKD-Ratsvorsitzenden Bedford-Strohm und vielen linken Pfarrern die Ohren schlackern werden.

Weißmann beschreibt Luther als unerschrockenen „Propheten der Deutschen“ im doppelten Wortsinn: einerseits als Reformator und Künder des christlichen Glaubens, derjenige, der mit einer unsere Sprache tiefgreifend prägenden Bibelübersetzung ins Deutsche die massenhafte Verbreitung der Heiligen Schrift angestoßen und damit jedem zugänglich gemacht hat.

Was blieb vom „berserkernden Religionsführer“?

Und andererseits zeigt er ihn als „Propheten der Deutschen“, indem dieser die Deutschen als Nation ansprach, als ein Kollektiv, das sich der Fremdbestimmung zu erwehren hat und durch Aneignung der eigenen Sprache zu kulturellem und schließlich politischem Bewußtsein gelangte.

Trotz aller Vorbehalte aufgrund des konfessionellen Gegensatzes können sich auch Katholiken wegen der Dimension seiner Gestalt für die spätere Erneuerung der römischen Kirche, aber auch der Entstehung eines deutschen Nationalbewußtseins Martin Luther nähern.

Der Katholik Matussek staunt, daß vom „berserkernden Religionsführer“ Luther nur „Seid-nett-Zueinander, dieses kapitulierende Verbrüderungswischiwaschi“ übriggeblieben sei. Mit diesem Buch hoffen wir das zu ändern.

JF 10/17

Martin-Luther-Denkmal in Worms: Wortmächtiger Reformator Foto: picture alliance / Uwe Anspach / dpa
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