Checkpoint

Streiflicht
 

Revolutionäre Lagen

Checkpoint
Berliner Grenzübergang Checkpoint Charlie in der Nacht zum 10. November 1989 Foto: Wikimedia/Bundesarchiv mit CC-Lizenz https://tinyurl.com/3hth25

Bald ein Vierteljahrhundert ist vergangen seit der wunderbaren kalten Novembernacht, als fassungslos, begeistert Hunderttausende Deutsche von Ost nach West brandeten, die Kontrollpunkte an der Berliner Mauer überrannten, verdatterte Grenzer beiseite schoben, sich wildfremde Landsleute in die Arme fielen und eine vorweggenommene Wiedervereinigung feierten. Es waren Tage der Schwerelosigkeit, als die Gravitation der jahrzehntelangen Blockkonfrontation aufgehoben war.

Die Politiker in Ost und West waren von einem Volk getrieben, das Selbstverständliches und Naheliegendes forderte: „Wir wollen doch einfach nur beisammen sein“, wie Udo Lindenberg in seinem „Mädchen aus Ost-Berlin“ Jahre zuvor besungen hatte. Innerhalb von wenigen Wochen manifestierte sich der unbändige Wunsch, nicht einfach nur Reisefreiheit zu wollen, sondern die Einheit der Nation wiederherzustellen.

„Kommt die D-Mark nicht zu uns, gehen wir zu ihr!“

Aus „Wir sind das Volk“ wurde bei den Leipziger Montagsdemonstrationen „Wir sind ein Volk“, zum Ärger der West-Linken. Claudia Roth, seit wenigen Tagen frischgewählte Bundestagsvizepräsidentin, marschierte im Mai 1990 bei einer linksradikalen Großdemonstration gegen die Wiedervereinigung in Frankfurt am Main und hielt ein sinnfälliges Transparent, auf dem stand: „Nie wieder Deutschland – Gegen die Annexion der DDR“.

„Kommt die D-Mark nicht zu uns, gehen wir zu ihr!“ lautete bald nach dem 9. November die Parole auf Demonstrationen in der Noch-DDR. Die Forderung nach einer gedeckten Währung wurde rasch als Materialismus verächtlich gemacht – von Intellektuellen, die im Westen saßen und im Zweifel verbeamtet waren. Der massive ökonomische Druck, der die Abwanderung Hunderttausender in den Westen anhalten ließ, erzwang die schnelle Wiedervereinigung.

Nähern wir uns wieder einer revolutionären Lage?

Es sind nicht zuletzt auch materielle Beweggründe, die eine revolutionäre Situation ins Rollen bringen. Es existiert ein notwendiger innerer Zusammenhang zwischen politischer und ökonomischer Freiheit. Währung hat etwas mit Wahrheit zu tun – im Falle der DDR war es die Alternative zwischen ungedeckten „Aluchips“ und harter D-Mark.

So zieht der Verfall von Währungen den Verfall von politischen Ordnungen nach sich. Wir Deutsche haben wahrscheinlich einen besonders empfindlichen Nerv für die Entkernung der Währung und den tieferen Zusammenhang zur politischen Legitimität einer Regierung, die diesen Verfall betreibt. Aktuell stellt sich die Frage der Legitimität einer politischen Ordnung, die unter dem Deckmantel der „Euro-Rettung“ die Enteignung ihrer Bürger und die Zerstörung nationaler Souveränität betreibt. Der jetzt vom IWF empfohlene Griff nach den Guthaben der Sparer ist ein Alarmsignal. Nähern wir uns wieder einer revolutionären Lage?

JF 46/13

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