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Ein Warnhinweis ‚Anlage unter Spannung‘ an einem Stromkasten. Foto: picture alliance, Geisler-Fotopress, Christoph Hardt

Energiewende
 

Stabiles Netz war gestern

Mit dem Abschalten der letzten Kernkraftwerke im nächsten Jahr ist in Deutschland eine sichere Stromversorgung nicht mehr gewährleistet. Doch schon jetzt gibt es kritische Situationen dicht vor einem Netzzusammenbruch. So am 8. Januar dieses Jahres. Das Netz konnte stabil gehalten werden, weil genügend regelbarer Kraftwerkstrom vorhanden war. Mehr ständig schwankender Wind- und Solarstrom hätte zu einem Blackout geführt. Die Bundesnetzagentur hat nach diesem Ereignis das Großkraftwerk Heyden bei Petershagen an der Weser wieder reaktiviert, das eine Woche zuvor nach dem Kohleausstiegsgesetz stillgelegt wurde.

Deutschland marschiert mit der Energiewende in eine Versorgungslücke, vor der Regierung und Politik die Augen verschließen. Unsere Emissionen sollen bis zum Jahr 2030 planmäßig um 65 Prozent gegenüber dem Niveau von 1990 gesenkt werden, und totale „Treibhausgas“-Neutralität soll bereits in gut 25 Jahren erreicht sein. Ideologie und Glauben haben offensichtlich technisches und wirtschaftliches Denken abgelöst.

Betreiber erhalten horrende Ausgleichszahlungen

Unsere Nachbarländer im europäischen Verbundnetz werden bei wachsendem Strommangel nicht liefern können, weil sie selbst ihre Kraftwerke reduzieren. Umgekehrt haben wir bei Starkwind und Sonne schon heute zu viel Strom, der unter Zuzahlung entsorgt werden muß. Immer öfter werden daher Wind- und Solaranlagen vom Netz genommen, um Überschuß zu vermeiden. Die Betreiber der Anlagen freilich stört das nicht. Sie erhalten eine Ausfallentschädigung für den nicht benötigten und nicht gelieferten Strom. 2019 wurden rund 700 Millionen Euro ausgezahlt.

Die Energiewende im Namen der Klimarettung, die nun sogar höchstrichterlich eingefordert wird und nicht mehr hinterfragt werden soll, gefährdet die deutsche Energieversorgung. Die Stromerzeugung mit Biogas und Wasserkraft kann nicht mehr nennenswert erhöht werden, weil dafür Flächen und Wasser fehlen. So wird als Lösung nur der Strom aus Wind und Sonne propagiert.

Über den derzeitigen Strombedarf hinaus sollen in Zukunft auch Pkws und Lastwagen elektrisch angetrieben werden. Weiter soll „grüner“ Wasserstoff, elektrolytisch mit Sonnen- und Windstrom erzeugt, als Energiespeicher dienen und für die chemische Industrie Erdöl als Grundstoff ablösen. Im Labormaßstab ist dies zwar alles möglich. Praktisch jedoch gibt es unüberwindbare technische und wirtschaftliche Grenzen.

Speicher sind nicht in Sicht

Die Flächen in Deutschland reichen nicht aus, um den Strom aus Wind und Sonne für alle genannten Anwendungen zu erzeugen. Zudem schwankt die Leistung dieses Stroms mit dem Wetter. Bei Dunkelflaute gibt es keinen Strom, und notwendige große Stromspeicher sind bisher nicht in Sicht. Der schwankende Wind- und Solarstrom kann kein stabiles Netz aufbauen.

Dafür ist eine Grundlast von mindestens 45 Prozent aus Kraftwerken mit schweren rotierenden Generatoren erforderlich, die die Netzfrequenz stabil halten und die Leistung auf Bedarf regeln. Geringere Grundlasten führen zum Blackout. Wir können also auf Kraftwerke nicht verzichten. Damit sind die jüngst verschärften Klimaziele der Bundesregierung utopisch.

Die komplette Umstellung auf elektrisch angetriebene Pkws erforderte 20 neue Großkraftwerke oder 15.000 riesige Windgeneratoren der Drei-Megawatt-Klasse. Darüber hinaus müßten die Zuleitungen zu den Hausanschlüssen verstärkt werden. Das Aufladen mit einem 11-Kilowatt-Anschluß dauert länger als die mögliche Fahrzeit mit dem Auto. Es gibt Schnelladestationen, die jedoch die Betriebsdauer der teuren Batterie stark reduzieren. Unter Einschluß der Batteriekosten ist der Energieaufwand deutlich höher als für einen Diesel oder Benziner. Das ist bedauerlich, denn der Elektromotor ist ein komfortabler Antrieb.

Wasserstoff ist eine sehr teure Alternative

Nach Angaben der chemischen Industrie können mit Wasserstoff fast alle chemischen Produkte aufgebaut werden. Für die Synthesen ist jedoch viel Energie erforderlich. Verfahren können wirtschaftlich werden bei Strompreisen um einen Cent pro Kilowattstunde. Das ist mit Wind- und Solarstrom nicht zu erreichen. Die Kosten von „grünem“ Wasserstoff steigen mit jeder Umwandlung, weil Energie dabei verlorengeht – ein unwirtschaftliches Unterfangen.

Die Corona-Krise hat einen Vorgriff auf die weiter steigenden Kosten der Energiewende gebracht. Durch das Lahmlegen von Handel und Gewerbe sank der Strombedarf deutlich. Der „Öko“-Strom mußte jedoch nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) weiter ins Netz eingespeist werden. Die Kraftwerke wurden gedrosselt.

Der Anteil des hochvergüteten „Öko“-Stroms stieg deutlich und damit auch die EEG-Umlage, die den Strompreis um zehn Prozent verteuerte. Wenn die Energiewende weitergeht – und alle Prognosen für den Ausgang der Bundestagswahl lassen nur den Schluß zu, daß sie noch forciert wird –, steigen die Stromkosten überproportional, weil Deutschland immer mehr teuren Überschußstrom erzeugt und mehr Regelleistung erforderlich ist.

Energiewende kostet jährlich 25 Milliarden Euro

Es wird immer wieder geunkt, die hohen deutschen Strompreise würden zum Abwandern der Industrie führen. Die Abwanderung läuft jedoch schon seit Jahren. Wer in Deutschland bleibt, dem wird es so gehen wie der Papierfabrik Zanders in Bergisch-Gladbach, die zum 1. Mai ihren Betrieb einstellte, weil die neue Brennstoffsteuer nicht aufgebracht werden konnte.

Keine Partei und keine Gewerkschaft haben in diesem Fall gegen die Energiewendepolitik protestiert, die ja Ursache der Firmenaufgabe ist. Die Energiewende kostet uns als EEG-Umlage jedes Jahr mehr als 25 Milliarden Euro. Dieses Geld stünde für die Begleichung der Aufwendungen der Corona-Krise zur Verfügung, wenn jede finanzielle Stützung von Flackerstrom beendet wird.

JF 21/21

Ein Warnhinweis ‚Anlage unter Spannung‘ an einem Stromkasten. Foto: picture alliance, Geisler-Fotopress, Christoph Hardt
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