Joachim Kuhs
Stolze Quotenfrau: Die bayerische Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Schulze Foto: picture alliance/Angelika Warmuth/dpa
Stolze Quotenfrau: Die bayerische Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Schulze Foto: picture alliance/Angelika Warmuth/dpa

Katharina Schulze und Gesinnungsgenossinnen
 

Gemachte Quotenfrauen

Deutschland diskutiert mal wieder über die Frauenquote. Aktueller Anlaß ist die von der großen Koalition geplante Einführung der Quote in Vorständen börsennotierter und paritätisch mitbestimmter Unternehmen. In der Christlichen Union regt sich tatsächlich so etwas wie Widerstand gegen den neuesten Schritt in Richtung des derzeitigem und nahezu aller aktuell denkbarer künftiger Regierungspartner. Hans Michelbach, Vizechef des Parlamentskreises Mittelstand (CSU), hat gar angekündigt, er werde „alles dafür tun, um diese Vorstandsquote zu verhindern“. Ob er bei dieser „harten“ Linie bleiben wird, ist fraglich.

Daß die Quotengegner mit ihrer Position in der Partei auf verlorenem Posten stehen dürften, scheint dagegen jetzt schon klar zu sein. Zum einen, weil ihnen der Wind, den linksgrüne Haltungsjournalisten und die üblichen Stimmungseinpeitscher in den sozialen Medien für die Frauenquote machen, in den nächsten Tagen und Wochen stürmisch werden dürfte. Zum anderen, weil es eben genau diese digitale Kommentierungselite ist, die die Wahlstrategen in der CDU/CSU mit solcherlei Kompromissen und politischer Flexibilität erreichen und für sich gewinnen wollen.

„Jede Zeit hat ihre Farbe“, verkündeten die Grünen vor wenigen Tagen selbstbewußt auf ihrem digitalen Parteitag. Mit der Einführung der Frauenquote scheint die Union diese Aussage noch einmal fett grün unterstreichen zu wollen.

„Ist doch toll, Quotenfrau zu sein“ 

Die anvisierte Zielgruppe ist allerdings längst schon wieder ein paar Schritte weiter, als daß die ihr hinterherhechelnde Partei mit der konservativen Vergangenheit ernsthaft mit ihr schritthalten könnte. Beim Stern fordert Claudia Kemfert, Abteilungsleiterin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, gar schon eine Frauenquote für die Wissenschaft.

Das Ziel der „Progressiven“ scheint klar zu sein. Das Leistungsprinzip soll als wichtigstes Aufstiegskriterium endgültig verschwinden. Auf Twitter sind einige so begeistert von den neuen Möglichkeiten, die der gesetzlich verordnete Mindestanteil an Frauen in Führungspositionen den Frauen verheißt, daß sie selbst – ohne es zu merken – die besten Argumente gegen die Quote liefern.

Allen voran: Katharina Schulze. Die Fraktionsvorsitzende der bayrischen Grünen, die durch ihre ungehemmt im Internet präsentierte Naivität fast schon ein menschliches Meme geworden ist, schrieb auf Twitter: „Ist doch toll, Quotenfrau zu sein, es damit aus eigener Leistung zu schaffen und die Gesellschaft/das Unternehmen mitzugestalten“. Das ist schon nicht mehr nur eine Verwässerung der Begrifflichkeiten, es ist eine totale Neuinterpretation von Sprache und Tatsachen, wie sie so wohl nur eine Grüne hinbekommen kann. In jedem Fall wird an Schulze und ihrer Aussage überdeutlich, woher die Forderung nach einer eigenen Spur für Frauen im Karriererennen kommt und wohin sie führen kann.

 Auch die taz bejubelt Quotenfrauen

Wem die Vorstellung einer Katharina Schulze in einer wichtigen Wirtschaftsposition oder – Gott bewahre! – in einem Laborkittel noch nicht genügt, um in der Nacht um den Schlaf gebracht zu werden, der dürfte spätestens beim Gedanken an Ricarda Lang endgültig das Fürchten lernen. Die stellvertretende Bundesvorsitzende und frauenpolitische Sprecherin von den Grünen findet: „`Quotenfrau` muß kein Manko sein, es wird dazu gemacht.“ Sie selbst schäme sich „null, auch mit der Quote in mein Amt gekommen zu sein“, schreibt die gemachte Quotenfrau auf Twitter.

„Ganz im Gegenteil“, so Lang weiter, „ich bin glücklich und stolz, in einem Umfeld zu arbeiten, in dem Frauen gleichberechtigt mitbestimmen und gestalten.“ Hier von typischer Frauenlogik zu sprechen, wäre unfair und chauvinistisch. Zumindest was grüne Frauen angeht, aber durchaus berechtigt.

Sind die Ansprüche in Sachen Logik und stringenter Argumentation erst einmal komplett in den Keller gefahren, kann man auch eine taz-Journalistin zu Wort kommen lassen. Carolina Schwarz als Redakteurin für Gesellschaft und Medien, Feminismus und Pop, versuchte sich an einem launigen Text zum Thema und schrieb: „Das Argument ´Ich will aufgrund meiner Leistung und nicht wegen der Quote eingestellt werden` amüsiert mich immer wieder. Stellen die Leute sich die Quote so vor, daß random Frauen auf der Straße Führungspositionen angeboten werden?“ Der Tweet war natürlich nicht ganz ernst gemeint und war sogar immerhin so lustig, daß sie, wenn sie auf der Straße schon keinen Vorstandsposten angeboten bekommt, zumindest gute Chancen haben dürfte, als Chef-Autorin bei der „heute show“ eingestellt zu werden.

 Er beweist aber auch, daß eben doch nicht in jedem Witz auch ein Fünkchen Wahrheit steckt. Denn anders als in dem irreführenden Scherz-Tweet suggeriert, behauptet natürlich kein vernünftiger Mensch, daß Frauen künftig überall einen gut bezahlten Vorstandsjob nachgeschmissen bekommen.

Der Markt reagiert immer irgendwie rational

Sobald eine Frau ein Bürogebäude eines börsennotierten Unternehmens betritt, um sich für einen solchen Job zu bewerben, stehen ihre Chancen künftig aber besser als die eines männlichen Bewerbers; im Zweifel eben auch unabhängig von Lebenslauf und Qualifikation. Genau darum geht es ja bei der Einführung der Frauenquote, sonst würde sie ja auch für ihre Befürworter gar keinen Sinn ergeben.

Welche enormen Vorteile eine Quote für Frauen haben kann, zeigt schon jetzt eine aktuelle Studie zu den Gehältern in DAX-Vorständen. Das Beratungs- und Prüfungsunternehmens EY fand kürzlich heraus, daß Frauen in den Vorständen börsennotierter deutscher Firmen im Jahr 2019 trotz Gehaltseinbußen im Mittel rund 30.000 Euro mehr verdient haben als ihre männlichen Kollegen. Obwohl das Gehalt der Vorstände insgesamt sogar gesunken ist.

Die Experten erklärten den Gehaltsvorsprung für weibliche Vorstände mit dem Bestreben der Unternehmen, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Da geeignete Kandidatinnen aber knapp sind, erhöht sich dadurch zwangsläufig der Marktwert der wenigen potentiellen Kandidatinnen. Der Markt reagiert eben immer irgendwie rational. Auch auf noch so irrationale politische Entscheidungen.

Stolze Quotenfrau: Die bayerische Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Schulze Foto: picture alliance/Angelika Warmuth/dpa
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