Trump
US-Präsident Donald Trump Foto: picture alliance/AP Images

Meinung
 

Trump ist nicht ihr Daddy!

Vor dreieinhalb Monaten wurde Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt, vor einem Monat hat er sein Amt offiziell angetreten, aber noch immer sind deutsche Journalisten und Politiker außerstande, sich einzukriegen und wie Erwachsene zu benehmen. Mag Trump auch narzißtisch, cholerisch, ewig pubertär sein – eine Claudia Roth im Großformat eben –, ist er doch der gewählte Präsident des amerikanischen Volkes.

Vielleicht holt er sich eine blutige Nase und scheitert: am Faktischen, dessen normative Kraft er unterschätzt hat; am Kongreß oder am Veto der Justiz. Mag sein, daß er bald eine lahme Ente ist, abgesetzt wird oder zurücktritt, weil er seine Eitelkeit befriedigt oder genug hat von der ganzen Chose. Dann würde seine Rolle sich auf die einer bizarren Fußnote in der Geschichte beschränken, und seine deutschen Kritiker könnten zur Tagesordnung übergehen. Ihre Aufregung wäre nutzlos verpuffte Energie gewesen.

Idealistische Sichtweise

Vielleicht aber hat er Erfolg und schlägt ein neues Kapitel in der Innen- und Außenpolitik auf. Auch auf diesen Fall sollte man vorbereitet sein und es sich nicht mit ihm verderben. Narzißten sind nämlich nachtragend, und als mächtigster Mann der Welt hätte Trump enorme Möglichkeiten, es seinen Kritikern heimzuzahlen. Die Aufregung wäre dann nicht bloß nutzlos gewesen, sondern auch politisch schädlich.

Warum also die Veitstänze? Erstens sind natürlich die transatlantischen Seilschaften am Werk, die sich durch Trump gestört fühlen. Deutsche Politiker und Journalisten sind transatlantisch fixiert, besser noch: zwangsfixiert. Das heißt, zweitens, ihre Neigung hat nicht nur politisch-pragmatische Gründe. Die USA stellen für sie eine moralisch-weltanschauliche Autorität, ein Über-Ich dar. Sie möchten an „Amerika“ als die Vertreterin und Vormacht eines moralischen Universalismus glauben.

In dieser idealistischen Sichtweise reproduziert sich die deutsche Nichtbegabung für Politik, denn sie blendet aus, daß das Pochen auf Freiheit und Menschenrechte für die USA stets ein politisches Mittel war, das gezielt und pragmatisch eingesetzt wurde, um einen globalen Machtanspruch zu untermauern und zu befördern. Unter dem Motto „America first“ will Trump die politisch-ideologische und die politisch-militärische Überdehnung, die sich daraus ergeben hat, zurücknehmen, weil die Nachteile inzwischen die Rendite überwiegen.

Nackte Panik

Er handelt ähnlich wie Gorbatschow, der in den achtziger Jahren die kommunistische Weltmission der Sowjetunion ad acta legte, weil sie das Imperium verarmen ließ. Wer blind ist für diesen Zusammenhang von Moral- und Realpolitik, für den handelt Trump natürlich „unamerikanisch“.

Hiesige Medienarbeiter und Politiker befällt bei der Aussicht auf eine Verständigung zwischen Trump und Putin nackte Panik. Dabei haben die von Obama durchgesetzten Rußland-Sanktionen den Europäern, allen voran den Deutschen, am meisten geschadet und am wenigsten genutzt. Ausgerechnet deutsche Politiker und Journalisten halten nun vehement daran fest und werden hysterisch bei dem Gedanken, Trump könnte umschwenken. Das ist der dritte Grund ihrer Aufregung: Sie würden vor sich und dem Demos als Vasallen dastehen, denen vom Dienstherren gekündigt wurde.

Sie gleichen den desorientierten, verzweifelten IMs, die 1989/90 ihre Führungsoffiziere und damit jeden Halt verloren. Es ist bekannt, daß die Stasi gezielt Waisen, Scheidungskinder, vaterlos aufgewachsene Jugendliche rekrutierte. Die Führungsoffiziere schlüpften in die Rolle des väterlichen Freundes, Ratgebers, Beschützers, Helfers. Es war Ehrensache, daß man ihnen die Wahrheit sagte – Vertrauen gegen Vertrauen!

Nicht als böse Instanz wahrgenommen

So wurden sie, wie Tomas Plänkers im Buch „Verräter oder Verführte: Eine psychoanalytische Untersuchung Inoffizieller Mitarbeiter der Stasi“ schreibt, nicht als böse Instanz, sondern „unbewußt eher als ein schützender und hilfreicher Vater, als ein das Selbstwertgefühl durch Anerkennung stärkender Vater, als ein Identifikationsmodell, als besserer Vaterersatz, als verführerischer oder als strenger, ablehnender Vater wahrgenommen“. Als Vater aber auf jeden Fall.

Und nun kommt Trump daher und erklärt den großen Kindern der „vaterlosen“ (Alexander Mitscherlich) Bundesrepublik: Ich bin nicht euer Daddy!

US-Präsident Donald Trump Foto: picture alliance/AP Images
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