Aiman Mazyek
Aiman Mazyek: Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland Foto: dpa
Meinung

Mazyeks Terror-Problem

Bei dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt am Montag sind erstmals Deutsche auf deutschem Boden Opfer des islamischen Terrorismus geworden (bei einem Attentat in Frankfurt starben 2011 zwei US-Amerikaner, bei zahlreichen anderen Anschlägen starben weltweit über 100 Deutsche.) 15 Jahre lang konnte man sich trotz 9/11 und Osama bin Laden relativ sicher fühlen. Vorbei. Entsprechend groß ist der Schock.

In den Äußerungen des Politbetriebs mischten sich Trauer und der Verweis darauf, daß man die Tat keineswegs für Hetze instrumentalisieren dürfe – während man andererseits immer wieder hört, daß sich Moslems klar und eindeutig vom Terrorismus distanzieren müßten.

Aber ist nicht genau das geschehen?

Am Dienstag gab es eine islamische Mahnwache am Breitscheidplatz, dem Ort des Geschehens, während sich der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), Aiman Mazyek, öffentlich zu Wort meldete. Er zeigte sich „erschüttert“:

„Tiefe Bestürzung und unendlicher Schmerz befällt uns angesichts der Tatsache, daß so viele unserer unschuldigen Bürger diesem Wahnsinn zum Opfer fielen. Wir verurteilen diese vorsätzlich ausgeführte Tat aufs Schärfste. […] Die Tat erinnert an die Attentate von Brüssel, Paris und Istanbul, was uns Muslime zutiefst betroffen macht. Den Mörder dieser entsetzlichen Tat muß die volle Härte unserer Gesetze treffen.“

In deutschen Moscheen werde man für die Opfer des Anschlags beten.

Eindrucksvolle Worte. Weniger eindrucksvoll ist, daß Mazyek immer wieder verneint, der Terror hätte etwas mit dem Islam zu tun. An der Wurzel packen kann er das Problem damit nicht. Dieser Eindruck verstärkt sich dadurch, daß Teilnehmer der Deutschen Islamkonferenz, wie z.B. Hamed Abdel-Samad, bestätigten, daß Mazyek bei den Sitzungen ungehalten reagierte, wenn Extremismus und Radikalisierung zur Sprache kamen. Konkrete Schritte habe er dabei nicht benennen können. Kritische Berichte über den ZMD, dem Politik und Medien ein öffentliches Forum bieten, sind selten – obwohl sich genug finden ließe.

Mazyek verbreitete auf Twitter mehrfach Beiträge des kanadischen Imams Bilal Philips, der die Todesstrafe für Homosexuelle geforderte hatte. Ebenso retweetete er während des Gaza-Kriegs 2014 Bilder einer Demonstration von Juden gegen Israel. Die gezeigten Demonstranten gehören der Sekte Neturei Karta an, die den Zionismus aus religiösen Gründen ablehnt und behauptet, Zionisten hätten den Holocaust entweder erfunden oder herbeigeführt, um einen jüdischen Staat gründen zu können. Ihre Vertreter wurden unter anderem von Palästinenserführer Arafat finanziert.

Bin-Laden-Vertrauter in München

Zu den Mitgliedsorganisationen des ZMD zählen das Islamische Zentrum Hamburg, das von der iranischen Regierung kontrolliert wird. Es hetzt regelmäßig gegen Israel und beherbergte laut Verfassungsschutzberichten Mitglieder der Hisbollah. Außerdem kritisierte sein Leiter Mohammed-Karikaturen als schändlich und behauptete, der Angriff auf Charlie Hebdo sei von westlichen Geheimdiensten inszeniert worden.

Das Islamische Zentrum Aachen soll laut VS-Abteilungsleiter Klaus Grünewald in den neunziger Jahren Anlaufpunkt für Mitglieder der algerischen Front islamique du salut gewesen sein. Das Islamische Zentrum München zählte zu seinen Besuchern auch Mahmoud Abuhalima, einer der Hintermänner des Anschlags auf das World Trade Center 1993, und Mamdouh Mahmoud Salim, einen engen Vertrauten Osama bin Ladens und Mitbegründer al-Qaidas.

Lob für Hitler

Ein Schura-Mitglied des IZ München hatte zudem die Schriften des ägyptischen Korangelehrten Yusuf al-Qaradawi ins Deutsche übersetzt. Al-Qaradawi erreicht mit seiner Sendung auf Al Jazeera ein Millionenpublikum. Zwar verurteilte er Selbstmordanschläge auf Zivilisten, fügte jedoch umgehend hinzu, daß es bedingt durch die allgemeine Wehrpflicht kaum Zivilisten in Israel gäbe. Außerdem lobte er Adolf Hitler und die weibliche Genitalverstümmelung.

Dass es auch anders geht, zeigt Lale Akgün. Die SPD-Politikerin kämpft für einen liberalen Islam. An ihrem jüngsten Facebook-Eintrag sollte Mazyek sich ein Beispiel nehmen:

„Ich, als Muslimin, schäme mich zutiefst, dass Menschen im Namen des Islam unschuldige Menschen umbringen. Ich bin nicht mehr bereit, solche Taten als ‚Einzeltaten von durchgeknallten Einzeltätern‘ hinzunehmen. Ich bin auch nicht mehr bereit, den ewigen, ermüdenden Wiederholungen ‚Das habe nichts mit dem Islam zu tun‘ zu lauschen. Wir säkularen Muslime müssen uns der Verantwortung stellen, dass es etwas mit dem Islam zu tun hat, wenn Menschen im Namen des Islam unschuldige Menschen umbringen.“

Aiman Mazyek: Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland Foto: dpa

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