Markus Krall Freiheit oder Untergang
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In eigener Sache
 

„Wir sind überglücklich“

Billy
Billy Six im syrischen Abu Duhur Foto: JUNGE FREIHEIT/Billy Six

Monatelang haben die Eltern von JF-Reporter Billy Six um sein Leben gebangt. Im Interview mit der JUNGEN FREIHEIT schildert der Vater, Edward Six, die Gefühle nach der Freilassung seines Sohnes aus syrischer Gefangenschaft.

Herr Six, Sie haben eben erstmals mit Billy telefoniert. Wie geht es Ihrem Sohn?

Edward Six: Ich weiß ja nicht, wie offen er sprechen konnte, aber er macht einen guten Eindruck: stabil und frohen Mutes. Er  ist jetzt auf libanesischem Gebiet, wohin ihn russische Diplomaten gebracht haben. Er wird nun in die deutsche Botschaft nach Beirut gefahren und wahrscheinlich heute nacht noch nach Deutschland ausgeflogen. Morgen früh werden meine Frau und ich ihn in Berlin hoffentlich in die Arme schließen können.

Wie haben Sie von seiner Freilassung erfahren?

Six: Durch einen Anruf Ihres Kollegen Henning Hoffgaard.

„Wir haben versucht, nicht an das Schlimmste zu denken“

Nicht durch die deutschen Behörden?

Six: Von denen habe ich letzte Woche eine vertrauliche Information bekommen, daß sich in den kommenden Tagen etwas tun würde. Daß Billy aber gleich freigelassen werden würde, damit haben wir nicht gerechnet. Es ist eine große Freude!

Zunächst wußten Sie weder, wer Ihren Sohn in seiner Gewalt hat, noch ob er überhaupt noch lebt.

Six: Ja, aber wir haben versucht, nicht an das Schlimmste zu denken. Wir waren immer darauf konzentriert, daß es eine Lösung geben würde – so wie es Billy, wie ich ihn kenne, sicher auch gemacht hat.

Haben Sie sich von den deutschen Behörden gut betreut gefühlt?

Six: Auf jeden Fall, die hatten zu Weihnachten, als unser Sohn verschwand, in nicht mal 24 Stunden einen Krisenstab auf die Beine gestellt. Mein Lob und tiefen Dank an Bundeskriminalamt und das Auswärtige Amt!

Wie kam es nach Ihrer Ansicht jetzt zur Freilassung Billys?

Six: Das weiß ich nicht wirklich, aber offensichtlich hat Rußland eine große Rolle gespielt. Das zeigt, daß Billy in Damaskus vor laufenden Kameras an russische Diplomaten übergeben wurde. 

Ist Lösegeld geflossen?

Six: Das glaube ich nicht.

In anderen Fällen war das so.

Six: Ich weiß von Lösegeld nichts.

„Meinen besonderen Dank an die Mannschaft der JF“

Warum sind Sie mit dem Fall nicht an die Öffentlichkeit gegangen?

Six: Um Billy nicht in Gefahr zu bringen. Wir haben uns natürlich beraten lassen: Es hieß, solange man nicht wisse, wer ihn habe, berge das unkalkulierbare Risiken. Und als dann klar wurde, daß es die Syrer sind, die ihn hatten und nicht Rebellen, Islamisten oder Kriminelle, war es besser, eine diplomatische Lösung im stillen zu verfolgen. An dieser Stelle meinen Dank an die Medien, die, obwohl etliche Journalisten informiert waren, dennoch nichts veröffentlicht haben.

Besonderen Dank und Lob natürlich auch an die Mannschaft der JF, vor allem an Henning Hoffgaard, der von Berlin aus intensiv versucht hat, per E-Mail, Telefon und Skype Kontaktleute in Syrien zu gewinnen, um Billys Aufenthaltsort zu lokalisieren.    

Was machen Sie, wenn Sie Billy morgen wiederhaben?

Six: In den Keller sperren, mit Bratwurst füttern und ihn nie, nie wieder herauslassen. Wir sind überglücklich, ihn bald wiederzuhaben!

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Edward Six, 50, in der IT-Branche tätig, lebt bei Berlin.

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