Joachim Kuhs

 

Die Zuträgerin

Nicht viele Journalisten können von sich behaupten, mit gerade mal Mitte Vierzig quasi ihr Lebenswerk schon vollendet zu haben. Bei der 1965 geborenen Journalistin Andrea Röpke dürften jüngst die Sektkorken geknallt haben – ihre jahrelange, hartnäckig geführte Medienkampagne gegen die Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) wurde Ende März durch einen Verbotserlaß des Bundesinnenministeriums und ein prominentes bundesweites Medienecho mit einem furiosen Erfolg gekrönt (JF berichtete). Man kann Röpkes Sieg durchaus als ein Meisterstück des bundesdeutschen Antifa-Journalismus bezeichnen. Dabei geht es gar nicht um die Frage, ob die genannte Gruppierung nun „neonazistisch“ war oder nicht, sondern um den Umgang von Politik und Medien mit Journalisten wie Röpke.

Der Fall ist exemplarisch: Bevor die gebürtige Norddeutsche begann, sich mit der HDJ zu befassen, waren beide fast unbekannt. Erst Röpke machte sie bekannt und umgekehrt. Und obendrein profitierte Röpke am Ende vom medialen Triumph.

Was die Fernsehzuschauer und Leser ihrer Artikel und Bücher allerdings kaum beachten, ist die eigenwillige Extremismus-Definition der Diplom-Politologin. Denn noch bis vor kurzem vermeldete der Bremer Landesverband der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (VVN/BdA), daß Röpke dort Mitglied sei. Diese Organisation lehnt jedoch laut diversen Verfassungsschutzberichten den gegen alle Formen des Extremismus gerichteten antitotalitären Konsens des Grundgesetzes ab. Die Bundesregierung stellte daher am 10. Mai 2002 fest, daß die VVN-BdA von ihr „dem extremistischen Spektrum zugerechnet“ wird. 2005 wurde diese vom Verfassungsschutz erneut „linksextremistisch beeinflußt“ und als „Organisation im Umfeld der DKP“ genannt.

Röpkes Nähe zum organisierten Linksextremismus schadet ihr indessen nicht, man kann sie getrost als „etabliert“ bezeichnen. Ihr stehen fast sämtliche Medien offen. Und so bedient sie TV-Magazine wie „Panorama“, „Fakt“ oder „Spiegel TV“ sowie Zeitungen und Magazine wie Süddeutsche Zeitung, Spiegel oder Stern – und in der Vergangenheit sogar den bei vielen als „bürgerlich-konservativ“ geltenden Focus – mit ihren Beiträgen. Ihre gleichzeitige Autorschaft beim linksextremistischen Magazin Der Rechte Rand scheint in den Redaktionen der „Seriösen“ niemanden zu interessieren.

Daß Röpke seit Jahren für ihre Antifa-Arbeit mit Preisen überschüttet wird, verwundert kaum. Jetzt wird sie gar mit dem Preis „Das unerschrockene Wort“ des Bundes der Lutherstädte ausgezeichnet. Wie „unerschrocken“ muß man sein, wenn einem Politik und Medien ständig Beifall klatschen? Röpke bedient den Antifa-Journalismus der Mitte, das tut sie weder besonders gut noch besonders schlecht – auf jeden Fall eckt sie damit fast nirgendwo an. Der Fall Röpke sagt jedenfalls mehr über unsere Medienwirklichkeit aus als ihre Recherchen über den Extremismus im Land.

Foto: Andrea Röpke. Der Erfolg der Antifa-Journalistin ist ein Menetekel für die Medien

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