Den Dolch im Gewande

Es war einmal eine junge, gebildete und erfolgreiche Frau namens Martina Krogmann, die als „Political-Economic Specialist“ beim US-Konsulat in Hamburg arbeitete. Die begegnete 1997 einem nicht mehr ganz jungen, noch nicht so erfolgreichen CDU-Politiker namens Christian Wulff, der sich gerade anschickte, zum zweiten Mal eine Landtagswahl zu verlieren. Für seinen Plan, die Partei zu „modernisieren“, paßte die ausgebildete Journalistin und promovierte Politologin perfekt. Ihr Seiteneinstieg wurde möglich, als man für einen altgedienten Parteikämpen in Stade einen Nachfolger im Bundestag suchte, der eines auf keinen Fall sein sollte: konservativ.

So legte Krogmann, seit 2005 Parlamentarische Geschäftsführerin im Bundestag, einen atemberaubenden Marsch durch die innerparteilichen Instanzen der CDU hin: Schon 1998, nur ein Jahr nach ihrem Parteieintritt, saß sie nicht nur im Bundestag, sondern auch im niedersächsischen Landesvorstand – als Stellvertreterin ihres Entdeckers Wulff. Ihre Qualifikationen: weiblich, evangelisch, ungefährlich – da ohne eigene Hausmacht, und schon von daher zur Loyalität gezwungen. Allerdings kommt beim Wähler nicht immer an, was die Partei dufte findet: Selbst wenn die 1964 geborene Hannoveranerin zum x-ten Mal die Bullenmastanlagen in ihrem Wahlkreis besichtigt, hat sie noch lange keinen Stallgeruch. Deshalb konnte Krogmann im Gegensatz zu ihrem Vorgänger das Mandat bis jetzt auch nie direkt gewinnen, sondern nur über die Landesliste in den Bundestag einziehen.

Wenn schon nicht mit politischem Profil, sorgt Krogmann doch immerhin mit ihrem Äußeren für Aufsehen in der ehemaligen Landluft-Partei. Sei es, daß sie ganz in Pink auf den Sitzungen erscheint oder im Chanel-Kostüm zum Ortstermin in der Suchtberatung stöckelt. Wenn Krogmann (www.martina- krogmann.de) für etwas steht, dann für die neue, die „moderne“ CDU mit ihren Zugeständnissen an „heutige Lebenswirklichkeiten“, ihrem großstädtischen Anspruch. In diesen fügt sich die kinderlos mit einem stellvertretenden Bild-Chefredakteur verheiratete Politikerin perfekt ein. Kein Wunder, daß Krogmann auch zum inneren Zirkel in Angela Merkels „Girlscamp“ gezählt wird. Wadenbeißer-Qualitäten zeigt das Vorgehen gegen ihren Parteifreund Hinrich Rohbohm (siehe Seite 5), dem sie vorwirft, zu weit „rechts“ zu stehen.

Ausgerechnet ein Sozialdemokrat, der Schweriner Landtagsabgeordnete Mathias Brodkorb, forderte Krogmann deshalb jetzt auf, sich in Zukunft entweder vor einen angegriffenen Parteifreund zu stellen oder aber wenigstens nicht auch noch auf den am Boden Liegenden einzutreten. Das ist ebenso honorig wie irreal: Denn dies setzt zwei charakterliche wie politische Tugenden voraus: Solidarität und Rückgrat. Solche Anforderungen aber sind für das Spitzenpersonal der Union – so zeigte es die Vergangenheit – schlicht unerfüllbar. Wer anderes behauptet, glaubt wohl auch noch an Märchen.

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