Nützlicher Diktator

„Zugegeben, er ist ein Schweinehund, aber er ist unser Schweinehund“, soll der Bagdader CIA-Repräsentant seinerzeit die nicht ohne Zutun seines Dienstes erfolgte Machtübernahme Saddam Husseins rapportiert haben. Mit diesem legendären Leitspruch hatte die CIA ursprünglich einmal intern ihre Unterstützung des kubanischen Diktators Batista gerechtfertigt. Damals wie heute gilt: Wie verabscheuungswürdig ein Diktator ist, hängt von seiner Nützlichkeit für Washington ab. In Afrika, wo George Bush gerade auf Rundreise war, verhält es sich nicht anders. An die Blutrünstigkeit eines Idi Amin mag Yoveri Museveni zwar nicht ganz heranreichen; ein Chorknabe ist er deswegen aber noch lange nicht. Fünf Jahre Bürgerkrieg, die Museveni gegen Amin-Nachfolger Milton Obote führte, kosteten das bitterarme Land rund eine halbe Million Tote. Heute regiert er Uganda mit harter Hand. Parteien sind verboten, die ganze Macht liegt bei Musevenis Bewegung, dem „National Resistance Movement“, in dem jeder Ugander einfach per Gesetz Mitglied ist. Den 11. September nutzte der 58jährige Alleinherrscher zur Einschränkung von Meinungs- und Pressefreiheit im Namen des Kampfes gegen den Terror. Dennoch erfreut sich Museveni der höchsten Wertschätzung des Führers der freien Welt: Uganda gilt als Bollwerk gegen islamischen Fundamentalismus, den es – bevorzugt im benachbarten Sudan – militärisch bekämpft. Im geopolitischen Kalkül der Bush-Regierung gilt Musevenis Uganda als wichtigster strategischer Partner in Ostafrika. Das trug ihm die Ehre eines Staatsbesuchs ein. Bei den häufigen Invasionen dieses wertvollen Verbündeten in Nachbarländer drückt Amerika stets beide Augen zu; Uno-Resolutionen und militärische Straf-Feldzüge hatte er – anders als sein irakischer Amtskollege – nie zu fürchten. Auch nicht, als er kurz nach seiner Wahl zum Präsidenten die aufständische Armee Laurent Kabilas im Kongo massiv militärisch unterstützte und später ebenso massiv die Rebellion gegen Kabila mit ugandischen Truppen zum Erfolg brachte. Mit seinem früheren Weggefährten und jetzigen Rivalen Paul Kagame, Staatschef von Ruanda, liefert Museveni sich seither einen blutigen Stellvertreterkrieg im Herzen der Finsternis. Was die beiden nicht daran hindert, die reichen Bodenschätze des Nachbarlandes nach Belieben zu plündern. Museveni gehört so zu den Hauptdrahtziehern des endlosen Gemetzels im Osten des Kongo, den sich die EU nun als neues Betätigungsfeld ausgesucht hat. Europäische Afrika-Experten mißbilligen folglich Bushs Uganda-Besuch. Diese Unbedarften! Sie müssen es schon dem amerikanischen Präsidenten überlassen, die demokratische Qualifikation des afrikanischen Staatschefs richtig zu bewerten. Denn ob jemand nun ein Schweinehund ist oder nicht, hängt allemal noch davon ab, ob er „unser Schweinehund“ ist. Museveni weiß das und verhält sich danach.

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