Im Namen Allahs

Seit sieben Jahren findet genau am Tag der Deutschen Einheit, dem 3. Oktober, der „Tag der offenen Moschee“ statt. Längst wird in den Medien mehr darüber berichtet als über den eigentlichen Feiertag. Dies ist ein genialer Erfolg des islamischen Verbandsfunktionärs Nadeem Elyas. Wie selbstverständlich tritt auch die fundamen-talistische Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) als Mitveranstalter dieses Tages auf. Kein Medium berichtete darüber – ebenfalls ein Erfolg des moderat und sympathisch wirkenden Elyas. Mit nur 19 Jahren kam der in Mekka geborene Saudi nach Deutschland, um Medizin und Islamwissenschaften zu studieren. Bereits als Student engagiert sich der Strenggläubige wahabitischer Prägung in islamischen Studentenorganisationen, bis ihm 1994 sein erster Coup gelingt. Er gründet einen „Dachverband“, dem gerade mal 800.000 der insgesamt 3,5 Millionen Muslime in Deutschland angehören, und benennt ihn in bewußter Anlehnung an den Zentralrat der Juden „Zentralrat der Muslime in Deutschland“ (ZMD). Mit diesem Namen versehen manövriert Elyas seinen ZMD weitgehend kritikfrei durch die politischen Alltagsdebatten. 1999 nimmt er sogar gemeinsam mit Ignaz Bubis vom Zentralrat der Juden den Alternativen Friedenspreis entgegen. Das politisch-kulturelle Establishment applaudierte herzergriffen dazu. Er trifft immer den richtigen Ton, mal mahnend, mal predigend, sogar albern kann er sein, wenn er in der taz vom „Spaß mit dem Dialog“ plaudert. Selbst in der Gegenwart von Alice Schwarzer und ihren islamfeindlichen Thesen entgleitet Elyas nicht die Kontrolle über seine freundlichen Gesichtszüge. Stets ist er sich der Kameras um ihn herum bewußt. Allerdings ist schnell erkennbar, daß der Vater von vier Kindern eben „nur“ ein Lobbyist ist. Dominiert wird der ZMD von orthodox-islamischen Vereinigungen, denen von Verfassungsschützern sogar eine Nähe zu der terroristisch umtriebigen Muslimbruderschaft nachgesagt wird, und auch in Udo Ulfkottes umkämpftem Enthüllungsbuch „Der Krieg in unseren Städten“ findet er unrühmliche Erwähnung. Mehrfach übrigens erinnerte Elyas intern an die Pflicht jeden Moslems, einen islamischen Staat zu errichten. Elyas und sein ZMD verfolgen vor allem einen politischen Islam. Finanzielle Unterstützung gewährte der ZMD einem muslimischen Metzger, der sich vor dem Bundesverfassungsgericht das Recht erstritt, zu schächten. Elyas unterstützte Fereshta Ludin bei ihrem Kopftuchprozeß in Karlsruhe. Elyas macht seinen Job als Verbandslobbyist hervorragend. Ihn dafür anzugreifen, wäre widersinnig. Es ist vielmehr ein Armutszeugnis für die Bundesrepublik, ihm keinen Ebenbürtigen gegenüberstellen zu können. Denn dafür hat weder ein Johannes Rau noch ein Wolfgang Thierse das geistige Format. Kein Wunder, wenn Elyas und damit muslimische Interessen gesellschaftlich das Feld behalten.

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