Der Profi-Büßer

Wenn Politiker aus ihrem Herzen nicht ständig eine Mördergrube machen müßten, so würde Markus Meckel auf die Frage, für wen er sich eigentlich hielte, gewiß antworten: Für den bedeutendsten Enkel Willy Brandts, den die Ex-DDR hervorgebracht hat! In Wahrheit war er aber schon als Mitbegründer der Ost-SPD 1989 nur eine Verlegenheitslösung. Die Führungsrolle, die anderswo Intellektuelle vom Rang eines Gremek, Havel oder Michnik einnahmen, fiel in der durch Massenflucht ausgebluteten DDR politisierenden Pfarrern wie Meckel zu. 1990 wurde er Parteivorsitzender, nachdem sein Vorgänger Ibrahim Böhme als Stasi-Mitarbeiter enttarnt worden war. Von April bis August 1990 gab er als letzter DDR-Außenminister auf der internationalen Bühne den dummen August, der die Verhandlungspartner mit den „legitimen Sicherheitsinteressen“ der Sowjetunion enervierte. Als Verdienst rechnet Meckel sich an, während des Zwei-plus-Vier-Prozesses auf der Festschreibung der Oder-Neiße-Linie bestanden zu haben. Etwas anderes war realpolitisch ohnehin nicht möglich, doch für Meckel bedeutet Außenpolitik gerade nicht die Kunst des Möglichen, sondern deutsche Wertarbeit beim Büßen und Sühnen. Entsprechend verlangte er noch im Sommer 1989 die „Anerkennung der Zweistaatlichkeit Deutschlands als Folge der schuldhaften Vergangenheit“. Meckel ist der Beweis dafür, daß das linksprotestantische Pfarrhaus, wo historisches Halbwissen und verblasener Moralismus als Politikkonzepte gelten, eine gesamtdeutsche Einrichtung ist. Niemand zelebriert diese Tumbheit mit soviel Gravität wie er, der zuvor als Vikar und Pfarrer in einer Landgemeinde in Mecklenburg wirkte. Der 51jährige ist verheiratet und Vater von fünf Kindern. Seit 1990 ist er Bundestagsabgeordneter, 2002 wurde er zum stellvertretenden Außenpolitischen Sprecher der SPD-Fraktion bestimmt. Meckel hat eine Unmenge Posten gesammelt – fast alles hochtönende Titel, die die Eitelkeit befriedigen, aber auf keine politische Macht verweisen. So konnte er bisher auch kaum Schaden anrichten. Das soll sich jetzt ändern. Um sich ins Gespräch zu bringen, nutzt er seine Ämter in diversen deutsch-polnischen Gremien. Meckel ist der Spiritus rector der Initiative, die ein „Zentrum gegen Vertreibungen“ in Berlin verhindern will. Seine Eitelkeit schützt ihn davor, die eigene politische und intellektuelle Beschränktheit auch nur zu bemerken. So wollten 1990 Politiker der Ost-SPD lieber das Innenministerium übernehmen, weil sie richtig einschätzten, daß ein DDR-Außenminister nichts Wesentliches mehr würde bewirken können, doch Meckel bestand auf dem prestigeträchtigen Posten. Sein halbes Geschichtswissen hat jetzt sogar den Bundeskanzler überzeugt. Auch das ist nicht weiter erstaunlich, denn bedeutende Brandt-Enkel gibt es schließlich weder in Ost noch in West, nur Verlegenheitslösungen!

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