Joachim Kuhs

 

Der Gotteskrieger

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Metin Kaplan mit einer grünen Fahne und einem Krummsäbel in der Hand – das ist ein Bild, das seine Anhänger lieben und das Christen in der westlichen Welt in Furcht und Schrecken versetzt. Nachdem Kaplan seine vierjährige Haftstrafe verbüßt hat, ist er jetzt wieder ein freier Mann. Zur Zeit hält er sich vermutlich in Köln auf, gilt aber als untergetaucht. Der Türke war Anführer des nach dem 11. September verbotenen Kalifatsstaats. Diese Organisation sah sich als Nukleus eines islamistischen Gottesstaates Türkei. Metin Kaplan, über dessen Alter widersprüchliche Angaben vorliegen, war der geborene Sektenführer. Seine Auftritte waren radikal und militant. Zur Zeit wirkt er jedoch sehr kleinlaut. Ihm droht nämlich die Abschiebung in die Türkei. Dort soll er wegen Hochverrats vor Gericht. Er übertreibt, wenn er sagt, ihm drohte die Todesstrafe oder Folter. PKK-Führer Öcalan ist schließlich auch nicht hingerichtet worden. Aber einem Aufenthalt in einer Vollzugsanstalt von unbegrenzter Dauer sieht er sehr wohl entgegen. Deswegen distanzierte er sich inzwischen von Gewalt und Terror. Mit den Worten „Ich will mit den Deutschen in Frieden zusammenleben“ beteuerte Kaplan sein Schuldbewußtsein. Insgeheim mag er gedacht haben: „… an dem Tag, an dem der letzte von ihnen zum Islam konvertiert ist“. Sein Kalifatsstaat möchte den Laizismus in der Türkei abschaffen. Kaplans Vater hatte die islamistische Bewegung gegründet. Cemalddin Kaplan hatte zuvor das staatliche „Präsidium für Glaubensangelegenheiten“ in der Türkei geleitet. Nach dem Militärputsch von 1980 ging er im Auftrag Necmettin Erbakans nach Deutschland und beantragte Asyl. Während Erbakan die Wohlfahrtspartei gründete, lehnte Kaplans Vater den Parlamentarismus ab. Statt dessen schuf er den Kalifatsstaat. Doch war der Kalifatsstaat bereits im Schrumpfen begriffen, als Metin Kaplan die Führung übernahm. 550 bis 1.000 Unterstützer will der Verfassungsschutz in NRW ausgemacht haben. Größer und einflußreicher ist heute Milli Görüs, die Quasi-Auslandsorganisation der Wohlfahrtspartei. Schließlich ließ sich der Generaljugendemir Ibrahim Sofu zum Gegenkalifen ausrufen. Kaplan veranlaßte seine Ermordung bzw. belegte ihn mit einer Todesfatwa, die von drei unbekannten Tätern acht Monate später in die Tat umgesetzt wurde. Zwei Jahre später wurde Kaplan verhaftet und zu vier Jahren Haft verurteilt. Seinen Kalifatsstaat verbieten zu lassen, mißlang der Generalbundesanwaltschaft damals jedoch. Dafür sorgte zwei Jahre später Otto Schily, der nach dem 11. September die katastrophalen Auswirkungen der von ihm mitzuverantwortenden Einwanderung ansatzweise zu verstehen begann. Solange sich der Staat nur mit dem Tragen von Kopftüchern befaßt, wird er den Fanatikern in deutschen Ausländerghettos kaum Einhalt gebieten können.

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