Von Angeln und Wölfen

Groß prangte der Schriftzug „Bornheim“ auf der Brust des Frankfurters, der Anfang April ausgerechnet in der ungeliebten Nachbarstadt Offenbach aus dem Verkehr gezogen wurde. Doch nicht das falsche lokalpatriotische Bekenntnis weckte den Argwohn des Staatsdieners, sondern ein verdächtiges Symbol im Wappen darüber. Das sei wohl ein Symbol der Neonazis, wertete der Beamte die an ein F erinnernde Wolfsangel-Rune und schrieb pflichtbewußt eine Anzeige wegen des Verwendens verfassungsfeindlicher Symbole. Zudem mußte der Frankfurter das Hemd ausziehen und durfte sich halbnackt mainabwärts trollen.

Zu Unrecht, wie dessen Freund Bernhard Ochs, SPD-Stadtverordneter in Frankfurt, findet. Um ganz sicher zu gehen, stellte er im Stadtparlament offiziell die ketzerische Frage, ob „nun auf Druck der Offenbacher Behörden das in Sandstein gehauene Bornheimer Wappen im Hof des Rathauses Römer entfernt wird“, berichtete die Frankfurter Rundschau. Doch Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) kann entwarnen: Die Offenbacher Polizei habe bereits ihren Fehler eingesehen und die Anzeige zurückgenommen.

Ob die Verwirrung auf politische Vorgaben zurückgeht, wie Wolfgang Hübner (Bündnis für Frankfurt) mit seinem Verweis auf das von der SPD beantragte Trageverbot von Thor-Steinar-Mode anspielt, bleibt ungeklärt. Olaf Cunitz (Grüne) findet die vielen Symbole insgesamt verwirrend; Stadtwappen, Abzeichen von SS-Einheiten und Dienstgradabzeichen der Bundeswehr seien sich aber auch zu ähnlich. Deshalb, so Cunitz, dürfe „niemand der Polizei in Offenbach böse sein“.

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