Verdrängte Geschichte

Auch in Paris begleitete ein gigantischer Medienrummel den 20. Jahrestag des Mauerfalls. Die inbrünstigen Reden, die Präsident Nicolas Sarkozy und andere zu diesem Anlaß hielten, dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen: Sie gehen einher mit einer besorgniserregenden Tendenz, die Geschichte umzuschreiben. Während Lech Walesa bei einem Fernsehauftritt erklärte, die deutsche Wiedervereinigung habe „dank der Polen“ stattfinden können, vergessen die Franzosen heute allzu leicht, daß sie vor zwanzig Jahren diese Wiedervereinigung keineswegs freudig begrüßten. Der damalige Präsident François Mitterrand weigerte sich nicht nur, nach Berlin zu reisen, um die Öffnung der Mauer gemeinsam mit Kanzler Helmut Kohl zu feiern, sondern er besuchte statt dessen am 22. Dezember die neue DDR-Regierung.

Meine persönliche Erinnerung an den 9. November 1989 ist eine andere. Ich habe bereits 1979 gesagt, daß es zu einer Wiedervereinigung kommen werde. Als zehn Jahre später die Mauer fiel, war dies sicherlich das einzige Ereignis, das ich mich jemals mit einer derartigen Freude erfüllt hat. Ich weinte vor Glück, als ich sah, wie diese abscheuliche Narbe verschwand, die Deutschland und Europa entzweite, und hörte, wie aus den Herzen der Ost- und West-Berliner derselbe Ruf ertönte: „Wir sind ein Volk!“ Ein unvergeßlicher Tag.

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