Seehofers Reinfall

Der Müller ist ein Mann, der sich stets zwischen den Fronten zu behaupten hat. Der Bauer verdächtigt ihn, schlechtes Geld für gutes Getreide zu zahlen. Der Bäcker hadert mit dem Müller, weil er sich mit minderwertigem Mehl betrogen fühlt. Der Müller muß folglich nach allen Seiten wachsam sein, sonst verbünden sich Bauer und Bäcker gegen ihn. In diese Lage schien Müllermeister Michael Glos gekommen zu sein. Der Wirtschaftsminister durfte in der Zeitung lesen, CSU-Chef Horst Seehofer und Kanzlerin Angela Merkel verhandelten insgeheim über seine Ablösung. Damit keine Mißverständnisse aufkommen: Glos hat aus seinem Amt wenig gemacht. Er hat es von Anfang an nicht geliebt. Dabei wurde übersehen, daß Glos der letzte große Marktwirtschaftler in der Regierung war, der sich dem Staatswirtschaftswahn entgegenstemmte. Die große Stunde von Glos kam mit seinem politischen Ende. Mit einem meisterhaft formulierten Brief bat er Seehofer um seine Entlassung und überhöhte seinen dafür gar nicht zuständigen Parteivorsitzenden bis zur Lächerlichkeit. Der fiel auf den Brief rein und lehnte den Rücktritt ab, obwohl er darüber nach der Verfassung gar nicht zu befinden hatte. Und Merkel durfte sich übergangen fühlen. Er hat es ihnen allen gezeigt, der fränkische Müller. Das verdient Respekt.

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