Immer brutaler

Was hat Israels „Vergeltungsoffensive“, was hat der Gaza-Krieg gebracht? Außer 1.300 Toten, 5.300 Verletzten, zwei Drittel davon Zivilisten, außer zerstörten Schulen, in Trümmer gelegten Ministerien, Polizeiwachen und Wasserwerken? Und außer einer bislang unergiebigen Krisendiplomatie? Hat sich dafür ein Krieg gelohnt? Israels Noch-Regierungschef Ehud Olmert wird sagen: Ja. Weil Israel seine turmhohe militärische Überlegenheit, seine „Abschreckungsfähigkeit“ unter Beweis gestellt hat und weil die Hamas vorübergehend weniger Raketen-Nadelstiche aus dem Gazastreifen heraus austeilen kann. Bei Licht sehen die Dinge anders aus. Die Hamas ist militärisch geschwächt, politisch scheint sie in ganz Nahost gestärkt. Die Hamas in Gaza ganz zu vernichten, konnte sich Israel auch gar nicht leisten. Im Gazastreifen würde ein Chaos ausbrechen, ein Nährboden für noch extremere Organisationen. Auch die Rückkehr der gemäßigten Fatah ist ausgeschlossen. Es geht Israel nur darum, den Willen der Hamas zu brechen. Um das zu erreichen, muß Israel wohl immer wieder aufs neue und immer brutaler vorgehen. Genau dies kann geschehen: daß die israelische Waffenruhe nur eine Pause vor dem nächsten Kriegsakt gegen Gaza ist – im Trauerspiel mit dem Titel „Wie man sein Maximalziel erreicht, ohne irgend etwas dafür zu geben“.

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