Der DGB setzt Prioritäten

Verdiente Arbeitnehmer aus Helmstedt werden seit 15 Jahren mit einem würdigen Festakt im Rathaus von Helmstedt geehrt, meistens unmittelbar vor dem „Tag der Arbeit“ am 1. Mai. Dieses Jahr wird diese Sitte allerdings „aus organisatorischen Gründen“ abgesagt, wie die Stadt Helmstedt offiziell verlautbaren ließ – und das, obwohl bereits die Einladungen versandt wurden und auch die Redner präpariert waren.

Denn nun ist für die Gewerkschaft das Maß voll – Arbeiterehrung hin oder her. Seit Jahren hatte man schon moniert, daß bei dem Ratsempfang alle Ratsmitglieder zugegen seien, so auch die beiden Herren der NPD. „Das ist einfach empörend in Anbetracht der Tatsache, daß die Nationalsozialisten 1931 die Gewerkschaftshäuser zerschlugen und das Gewerkschaftsvermögen anderweitig verwendeten“, empört sich DGB-Regionalchef Achim Barchmann in der Braunschweiger Zeitung. Insbesondere die Teilnahme des langjährigen NPD-Ratsherren Friedrich Preuß sei „eine Unverschämtheit gegenüber älteren Gewerkschaftsmitgliedern“, springt ihm der DGB-Kreisvorsitzende Michael Franke bei. Am vergangenen Montag sagten die Arbeitervertreter als Mitveranstalter ihre Teilnahme ab. „Der Bürgermeister hatte versprochen, von seinem Hausrecht Gebrauch zu machen“, zürnt Klaus Lüer von Verdi Helmstedt, doch die NPD-Politiker hatten juristisch aufbegehrt. Wenn sie diese Ratsmitglieder ausschlössen „würde die Stadt Helmstedt aus Gleichbehandlungsgründen, auch nach Meinung des Niedersächsischen Städtetages, illegal handeln“, verteidigt Stadtrat Klaus Junglas: Nun nach der Absage, vor dem wenigen Publikum, „macht ein Empfang keinen Sinn“.

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