Ventil für Bürgerzorn

Sie könnten etwas Historisches vollbringen. Sollten die Freien Wähler am 28. September tatsächlich den Sprung ins Münchner Maximilianeum schaffen, wäre es das erste Mal überhaupt, daß eine ursprünglich rein kommunale Wählergemeinschaft in ein Landesparlament einzieht.  Das könnte Schule machen. Freie Wähler haben aber auch schon zur hessischen Landtagswahl kandidiert. Und sind gescheitert. Dennoch: Mit ihrer flächendeckenden Präsenz vor Ort und ihrer sachorientierten Politik-Philosophie haben sie angesichts der großen Unzufriedenheit mit den etablierten Parteien gute Chancen. Sollte der Einzug in den Landtag gelingen, wäre mehr möglich. Denn sollte der Neuling die Klaviatur der Landespolitik beherrschen, ist auch eine Etablierung auf Bundesebene nicht auszuschließen. Ein Sechs-Parteien-System wäre die Folge, drei linke und drei bürgerliche Kräfte. Die derzeitige strukturelle Mehrheit von SPD, Grünen und Linkspartei wäre egalisiert, mancher von der Politik erzürnte bürgerliche Nichtwähler könnte wieder geneigt sein, zur Wahlurne zu schreiten, um die Freien als Druckventil zu nutzen. Für die Union gäbe es dann keinen Grund mehr für alberne Sandkastenspiele mit linksradikalen Grünen und der Sozialdemokratisierung der eigenen Partei. Letzteres ist es schließlich, was viele CSU-Leute erst in die Arme der Freien Wähler treibt.

Probeabo JF 2021 Gratis lesen

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
Hierfür wurden keine ähnlichen Themen gefunden.
aktuelles