Springerprozession

Schlingern bei Springer: Die Axel Springer AG gönnt sich nach 1999 und 2004 in diesem Jahr nun die dritte Umstellung der Rechtschreibung in ihren Medien und macht einmal wieder in Neuschrieb. Aus freien Stücken würde ein klug geführtes Zeitungshaus niemals eine solch peinliche Springprozession aufführen. „Eine Einheitlichkeit existiert mit reformierter Rechtschreibung nicht mehr“, stellt die Axel Springer AG in ihrer Mitteilung fest, in der sie am vergangenen Dienstag ihr Einknicken bekanntgab. Ja, warum stellt sie dann um und vergrößert das Durcheinander? Offenbar hat sich, anders als bei der Entscheidung von vor zwei Jahren, diesmal die Mehrheitsaktionärin Friede Springer gegen den Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner durchgesetzt. Friede Springer besitzt nach wie vor gute Verbindungen zu den CDU-Damen Angela Merkel und Annette Schavan, während Döpfners Stern seit der gescheiterten Übernahme von Fernsehsendern sinkt. Schavan ist bekanntlich eine der Stützen der Rechtschreibreformer. Vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn vor zwei Jahren Süddeutsche Zeitung und Spiegel ihren vollmundigen Versprechungen auch Taten hätten folgen lassen. Statt dessen schickten sie die Springer-Presse vor und ließen sie anschließend, nach massiver Einflußnahme durch die Politik, im Regen stehen. Gemütlich warteten die Fahnenflüchtigen in der Etappe die weitere Entwicklung ab. Mehr denn je ist nun die Verwendung der bewährten Rechtschreibung ein Bekenntnis zur Pressefreiheit geworden.

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