Netzwerk der Täuschung

Mit dem „Europäischen Netzwerk gegen Zwangsmigration und Vertreibung“, das Kulturstaatsminsterin Christina Weiss (parteilos) vor fast einem Jahr erfunden hat, wird es erstmal nichts. Eigentlich sollte es am 2. Februar dieses Jahres gegründet werden; Weiss war eigens zu diesem Zweck nach Warschau gereist. Doch im letzten Moment meldeten diejenigen Bedenken an, um die es vor allem ging, die Tschechen und die Polen, denn mit dem Netzwerk sollten doch Erika Steinbach und der Bund der Vertriebenen samt ihrer Vorstellung von einem in Berlin anzusiedelnden Zentrum gegen Vertreibungen um den Finger gewickelt werden. Während die Tschechen auf einmal daran zweifelten, daß das Netzwerk ein positiver Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte sei, hatten die Polen grundsätzlich etwas gegen das Wort „Vertreibung“ einzuwenden. Dabei geht ihnen nicht nur um Steinbach, am liebsten würden sie den Deutschen verbieten, das Wort „Vertreibung“ überhaupt in den Mund zu nehmen. Vor Schreck ließ sich Weiss auch gleich einen politisch korrekten Namen für ihre Einrichtung einfallen: Europäisches Netzwerk Erinnerung und Solidarität. Das soll jetzt, nachdem von Vertreibung nicht mehr die explizit die Rede ist, nicht mehr und nicht weniger leisten als die „Analyse, Dokumentation und Verbreitung der Geschichte des 20. Jahrhunderts“. Außerdem will das Netzwerk den Dialog über totalitäre Diktaturen und die Leiden der Zivilbevölkerung fördern. Dabei kann sich wenigstens jeder denken, was er will.

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