Lieb Vaterland

Wo, wenn nicht in Deutschland? Es gibt Diskussionen, die können nur hierzulande geführt werden. Etwa die bizarre Auseinandersetzung darüber, ob die Grundschüler in Sachsen und dem Saarland die deutsche Nationalhymne singen und lernen dürfen oder – wie aufgeregte Lehrer und linke Politiker lauthals verkünden – auf gar keinen Fall. Dabei ist die Frage eigentlich völlig falsch gestellt. Richtig müßte sie lauten: Warum ist das Lernen und Singen der Nationalhymne nicht längst an allen Grundschulen in Deutschland verpflichtend? Leider läßt sich diese Frage nur allzu leicht beantworten: Aus Sicht all jener, die dergleichen Vorhaben so leidenschaftlich bekämpfen, droht die „Gefahr“, daß sich die Kinder gleichsam auf spielerische Art und Weise mit den reichen Traditionen und der Kultur ihres Heimatslandes bekanntmachen könnten. Gerade dieses Spielerische, Unbefangene ist es, was die Gegner so wütend macht. Wenn sich die Kleinsten die Liebe zu ihrem Vaterland erst einmal angeeignet haben, so fürchten sie, ist es schwerer, den Nachwuchs für ein Geschichtsbild zu gewinnen, in dem die Traditionen und die vielfältige Geschichte Deutschlands lediglich als negative Folie dienen, vor der die eigenen postnationalen Menschheitsbeglückungsphantasien um so prächtiger strahlen. Wenn jetzt die verantwortlichen CDU-Politiker zudem wieder einmal zurückrudern und beteuern, die Vorschläge seien ganz unverbindlich gemeint gewesen, ist das wenig überraschend. Ein Ärgernis bleibt diese Wankelmütigkeit dennoch.

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