Ja zu Freibier

Mit einer überaus deutlichen Mehrheit von 77 Prozent Ja-Stimmen haben die Spanier für die Annahme des EU-Verfassungsentwurfs gestimmt. Die Wahlbeteiligung war allerdings die niedrigste bei einer Wahl seit dem Ende der Franco-Herrschaft. Nur 41 Prozent der Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab. Überraschen kann die ebenso deutliche wie für die Mehrheit uninteressante Zustimmung nicht. Spanien profitiert von seiner Zugehörigkeit zur EU in überwältigender Weise. Gut 83 Milliarden Euro sind seit dem Beitritt im Jahre 1987 nach Spanien geflossen. Ohne die Brüsseler Gelder würden dem spanischen Haushalt Einnahmen von zirka einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts fehlen. Zudem werden von der EU gezielt Maßnahmen gefördert, die der Tourismusbranche zugute kommen. Das sind zukunftsträchtige Investitionen, die ein nachhaltiges Einkommen stützen. Das spanische Ja zur EU-Verfassung klingt also wie ein Ja zur Frage, ob Freibier gewünscht wird. Das Schweigen und das Nein kommen von den Nichtbiertrinkern und denen, die wissen, welche Nachwirkungen ein Vollrausch haben kann. Die aufrechten Iren, obwohl selbst große Nutznießer der EU-Zuwendungen, haben dies einmal erkannt und zunächst ihr Nein zum Nizza-Abkommen der EU bekundet – bis sie weichgeknetet und zur bejahenden Wiederholungswahl „überzeugt“ wurden. In Deutschland will die Regierung erst gar nicht dieses Risiko eingehen. Zumal wir nicht zu den Freibiertrinkern, sondern zu den Freibierspendern gehören. Die gewaltigen Kopfschmerzen des EU-Katers bleiben uns dennoch nicht erspart.

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