Patriotisch zum Profit

Großes Entsetzen regte sich nach der umstrittenen Aufforderung des Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun, die deutschen Unternehmer sollten doch Arbeitsplätze ins Ausland verlagern. Nicht auf bessere Politik möge man warten, sondern müsse nun „selbst handeln und die Chancen nutzen, die zum Beispiel in der Osterweiterung liegen“. Beifallsheischend watschte der Kanzler Brauns Äußerung „als unpatriotischen Akt“ ab. Auch der CDA-Vorsitzende Hermann-Josef Arentz bezeichnete die Äußerung als „eine grobe Frechheit“ und als „Schlag ins Gesicht der Arbeitgeber, die im Land bleiben wollen“. Er habe mit seiner Äußerung lediglich „das Bewußtsein für die Notwendigkeit von Reformen schärfen wollen“, verteidigte sich darauf Braun im Handelsblatt. Das sei „richtig verstandener Patriotismus“ – und klingt völlig unglaubwürdig. Die Politik des DIHK geht schon lange in die Richtung, ihren Mitgliedern „Outsourcing“ nach Osteuropa anzuraten. Und egal wie eine Reform in Deutschland aussehen mag, sie dürfte kaum das in diesen Ländern vorfindbare Lohnniveau unterbieten. Insofern hat Braun, dessen vertretene Industriebetriebe ihren Wohlstand meist dem „Made in Germany“ verdanken, seinen „Patriotismus“ definiert – und dieser heißt reine Gier nach Profit. So sollten zukünftig auch die Kommentare „der Wirtschaft“ gewertet werden, wenn zum Beispiel Zuwanderung nach Deutschland „zum Nutzen aller“ (in Wahrheit für ein Arbeitskräftereservoir) gefordert wird.

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