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Im irakischen Treibsand

Wieder ein Sieg für die USA, wieder eine Entscheidungsschlacht gewonnen und dabei eine Stadt in Trümmer gelegt. Die Leichen auf den Straßen Falludschas sind noch nicht gezählt, da wird in Mossul schon die nächste Front eröffnet, geraten anderswo im „sunnitischen Dreieck“ die GIs wieder unter Feuer. Das Gros der Aufständischen hat sich beizeiten abgesetzt, um woanders weiterzumachen; und Freunde der neuen Ordnung hat die US-Armee mit diesem Einsatz kaum gewonnen. Falludscha war nicht die großartig angekündigte Entscheidung, sondern erst der Anfang. Aufständische, die man treffen, aber nicht zerschlagen kann, einheimische Verbündete, deren Kampfwert gegen Null geht, wenn der mächtige Alliierte ihnen nicht hilft, eine Heimatfront, die zunehmend nervös wird und jeden Fehler ihrer Soldaten zur Staatsaffäre macht, selbst solche, die zu den Begleiterscheinungen eines Häuserkampfes gehören: Das Vietnam-Gespenst nimmt von Tag zu Tag konkretere Gestalt an im Irak. Kein Wunder, daß sich die Absetzmanöver in der „Koalition der Willigen“ häufen. Keiner glaubt ernsthaft, daß die zweite Bush-Administration besser als die erste wüßte, wie das selbstgemachte Chaos im Zweistromland zu beheben wäre. Unter den Vorzeichen von Falludscha und Mossul drohen die für Januar geplanten Wahlen zu einer Farce von afghanischen Ausmaßen zu werden, während die US-Truppen mit jedem verzweifelten Versuch eines Befreiungsschlags tiefer im irakischen Treibsand versinken. Mit „Krieg gegen den Terror“ hat das alles schon lange nichts mehr zu tun.

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