Asien braucht Stabilität

Der knappe Ausgang der Wahlen in Taiwan hat alle Elemente von Tragik. Das 23-Millionen-Volk beweist der Welt in einem leiden-schaftlich geführten Wahlkampf, daß Chinesen sehr wohl demokratische Rechte schätzen und mit ihnen verantwortlich umgehen können – da vergeigt die politische Klasse dieses Kapital postwendend wieder. Unversöhnlich stehen sich nun die einstigen antikommunistischen Ex-Machthaber der Kuomintang (KMT), die sich als chinesische Patrioten vom Festland nicht lossagen wollen, und die Demokratische Fortschrittspartei (DPP), die früher verfolgte Opposition der Taiwanesen, die die Unabhängigkeit des Inselstaates will, gegenüber. Die nun erwirkte Neuauszählung der Stimmen kann Monate dauern. Derweil fällt in Taipeh die Börse um täglich sieben Prozent, vor allem die Werte von Transportfirmen wie China Airlines und der Evergreen Reederei, die von besseren Beziehungen zu Peking im Fall eines KMT-Wahlerfolges profitiert hätten. Die kommunistischen Machthaber in Peking, die für den Fall einer Unabhängigkeitserklärung unverhohlen mit einer Invasion gedroht hatten, halten sich derweil zurück. Sie trösten sich mit der Tatsache, daß Präsident Chens entsprechende Referendumspläne mangels Wahlbeteiligung vorerst gestorben sind. Zur Stabilisierung Taiwans und der nervös gewordenen, arbeitsteilig verflochtenen Volkswirtschaften Ostasiens ist die Aussöhnung beider politischer Lager, die möglichst saubere Erhebung des Wahlergebnisses und die Aufklärung des Attentatsversuches dringend vonnöten.

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