Westdeutsche Stasi-Fratze

Günter Wallraff beherrscht wieder die Schlagzeilen. Wie in seinen besten Zeiten als linker „Enthüllungsjournalist“ ist er in allen Medien präsent. Diesmal geht es aber nicht um die häßliche Fratze des Kapitalismus, um die Entlarvung vermeintlich faschistoider Strukturen. Diesmal ist Wallraff selbst Gegenstand des Interesses. Und dabei macht er keine gute Figur. Wofür, mag sich mancher fragen, soll das alles gut sein? Wallraff hat seit Jahren nichts Erwähnenswertes publiziert. Strafrechtlich ist seine Verbindung zur Staatssicherheit wegen Verjährung längst irrelevant. Warum sich also noch mit den Folgen der „Rosenholz-Datei“ für ihn und seinesgleichen beschäftigen? Wallraff weiß, warum. Ihm geht es um seinen Platz in der Geschichte, um die moralische Autorität, die er als Mitstreiter der 68er-Bewegung unter linken Gutmenschen in der westlichen Welt erworben hat. Wenn er nicht mehr als der furchtlose Einzelkämpfer gegen Unrecht und soziale Benachteiligung erscheint, sondern bedenkenlos Hilfe von der Stasi angenommen hat, ist dieses Ansehen nachhaltig beschädigt. Der moralische Anspruch wäre verwirkt. Wallraff ist kein Einzelfall. Die Auswertung von „Rosenholz“ wird noch manche Überraschung bei Einfluß-Agenten und Spionen der DDR im Westen im Westen zu Tage fördern. Die Fakten möglichst klar herauszuarbeiten, ist das Gebot der Stunde. Dann kann sich jeder seine eigenes Urteil bilden.

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