Weihnachtsmänner erst in der Adventszeit?

Die erste Nachricht kam dieses Jahr aus England. Am 5. August 2003 meldete das Hamburger Abendblatt: Harrod’s startet die Weihnachtszeit! 144 Tage vor dem Fest bot das Kaufhaus in London bei drückender Sommerhitze Weihnachtsartikel an. Wenig später wurden auch bei uns die ersten Nikoläuse und Dominosteine in den Geschäften gesichtet. Da frage ich mich: Sind wir noch zu retten? Was für ein Unsinn!

Meines Erachtens werden langfristig so nicht nur die Kirchenjahresrhythmen lächerlich gemacht, sondern es werden auch die heilsamen Rhythmen unseres Lebens zerstört. Wenn alles gleichzeitig und immer ist, gibt es keine Vorfreude, kein Warten-Können mehr. Und wenn wir im November nicht die Zeit der Auseinandersetzung mit dem Sterben zulassen von Volkstrauertag und Bußtag bis Toten- bzw. Ewigkeitssonntag, dann gibt es letzten Endes auch keine Zeit der Freude mehr, dann ist alles gleichgültig. Das Burn-out-Syndrom bei Managern hat ja als Ursache, daß sie keinen Rhythmus von Schaffen und Ruhen mehr kennen. Anscheinend verfällt unsere ganze Gesellschaft inzwischen kollektiv diesem Syndrom. "Alles hat seine Zeit – Advent ist im Dezember", so haben wir als hannoversche Landeskirche unsere Initiative genannt, die inzwischen immer größere Kreise zieht (www.Advent-ist-im-Dezember.de). Wir setzen uns für die christliche Adventskultur ein und sind nicht gegen Geschenke, Lebkuchen und Weihnachtsmärkte! Im Gegenteil, ich freue mich auf den Advent – aber zur rechten Zeit. Ich wünsche mir, daß der Advent wieder die Zeit wird, in der wir uns bewußt auf Weihnachten, auf die Geburt des Gotteskindes vorbereiten. Die Adventszeit ist voller schöner Rituale, die unserer Seele guttun und auch unseren Kindern. Die Adventskampagne will Menschen Lust und Mut machen, Advent wieder in der Adventszeit zu feiern. Machen Sie mit!

Margot Käßmann ist Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover. Der Text wurde mit freundlicher Genehmigung entnommen aus idea-Spektrum 41/2003.

Die klassischen Weihnachtswaren – hierunter fallen insbesondere die typischen Weihnachtsmänner aus Schokolade – haben die Regale des Lebensmittel-Einzelhandels derzeit noch nicht erobert. Vielmehr ist das saisonale Sortiment aktuell auf das Halloween-Fest ausgerichtet, das Ende Oktober stattfindet und sich auch in Deutschland zunehmender Beliebtheit erfreut. Das typische Weihnachtssortiment findet sich erst ab November im größeren Umfang in den Geschäften des Lebensmittelhandels.

Speziell in dieser zunehmend dunkleren Jahreszeit entwickelt der Konsument eine Vorliebe für solche Süßwaren, die beispielsweise mit Zimt, Vanille oder auch Anis gewürzt sind. Zu nennen sind hier Zimtplätzchen, Vanillekipferl, Spritzgebäck, Lebkuchen und Stollen. Dabei haben die wenigsten Produkte einen ausschließlichen Bezug zur Advents- und Weihnachtszeit. Viele dieser Erzeugnisse werden sogar über das ganze Jahr nachgefragt und konsumiert. Der Lebensmittelhandel will dem frei entscheidenden Konsumenten stets ein vielseitiges Sortiment anbieten. Gelegentlich zeigt sich der ein oder andere Konsument jedoch verwundert, wenn er bereits im Spätherbst Produkte wie "Weihnachtsmänner" in den Regalen entdeckt. Auch dieses Phänomen ist auf den Wunsch vieler Kunden zurückzuführen, weihnachtliche Produkte bereits frühzeitig zu konsumieren.

Da der Lebensmittelhandel von mündigen Verbrauchern ausgeht, sieht er keine Veranlassung, dem Konsumenten diese Produkte vorzuenthalten und ihn damit in seiner Kaufentscheidung zu bevormunden. Hier befindet sich der Lebensmittelhandel zudem im unmittelbaren und harten Wettbewerb mit diversen anderen Vertriebswegen, die ebenfalls bemüht sind, diesen Wünschen der Kunden nachzukommen. Insgesamt sollte es somit dem Verbraucher überlassen bleiben, wann und zu welchem Anlaß er bestimmte Erzeugnisse kauft und konsumiert.

Christian Mieles ist Sprecher der Geschäftsführung des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels e. V. (BVL) in Berlin.

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