Verlegung der Herbstbuchmesse nach München?

Frankfurt als Stadt der Weisheit, München als Stadt der Weißwurst – dieses Bonmot des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch hat nicht nur die meist recht selbstgenügsamen Münchner dahingehend ermutigt, mit der Mainmetropole in aktive Konkurrenz um die Buchmesse zu treten. Es ist auch zweifellos zu polarisierend. Im alten Frankfurt verstand schon Goethe etwas vom münchnerischen Leben-und-leben-Lassen, und in München beschrieb Thomas Mann mit seinem Wort „München leuchtet“ eine wie Frankfurt seit Jahrhunderten pulsierende Literaturmetropole. Deshalb sei es den Kaufleuten und ihrem rechnerischen Kalkül überlassen, ob an der Isar oder am Main die besseren Voraussetzungen für eine Buchmesse mit europa-, ja weltweiter Ausstrahlung gegeben sind. Konkurrenz belebt das Geschäft. München hat nicht nur kulturell und kulinarisch viel zu bieten, sondern auch als Messestandort und Medienmarkt. Seine literarische Landschaft blüht, an der Isar sitzen einige der wichtigsten Buchverlage Europas. Die Buchmesse ist der literarische Spiegel des gesamten deutschen Sprachraumes, also warum sollte sie nicht auch einmal in München stattfinden, mit seinen besonderen Verbindungen nach Österreich, Südtirol und in die Schweiz. Frankfurt ist die alte Metropole des Heiligen Römischen Reiches, dessen Kaiser in Prag oder Wien und dessen Kurfürsten an Isar und Mosel, Rhein, Spree und Elbe residierten. Es war niemals eine monopolistische, übermächtige Hauptstadt. Entspräche es nicht diesem Geist, wenn die Buchmesse auf Wanderschaft ginge, zwischen München und Frankfurt, Köln, Leipzig, Berlin – und warum nicht auch Wien? Bernd Posselt ist Münchner CSU-Europaabgeordneter und Präsident der Paneuropa-Union Deutschland. Wir hatten die Buchmesse schon im Mittelalter in Frankfurt am Main. Jetzt gibt es eine Tradition von über fünfzig Jahren nach dem Krieg. Wir können unter gar keinen Umständen auf die Buchmesse verzichten. Schon allein wenn man bedenkt, daß der Friedenspreis des deutschen Buchhandels hier in der Frankfurter Paulskirche vergeben wird – was der gegebener Ort dafür ist -, und dies im direkten Zusammenhang mit der Buchmesse stattfindet. Auf die vielen Treffen von Schriftstellern und Verlegern kann man hier nicht verzichten. Diese Stadt ist ohne Buchmesse nicht vorstellbar. Das Ganze in München neu zu konstruieren, halte ich für verwegen. Was mich traurig stimmt, ist, daß eine solche Messe – die wirklich eine große Tradition hat und eine ganz wichtige Einrichtung auch für Deutschland ist – wie ein Wirtschaftsgut verhandelt wird, das man je nach Bedarf hin- und herschieben kann. Die Buchmesse ist in diesem Umfang nicht in eine andere Stadt transferierbar. Bei einer „Wanderausstellung“ würde die Institution an sich großen Schaden nehmen. Leipzig hat auch – uralter Tradition folgend – eine Buchmesse, hier in Frankfurt ist jedoch die Weltgrößte, die wir auch hier halten wollen. Der Vorwurf, Frankfurt würde an der Preisschraube für die Aussteller drehen, ist auch nicht richtig. Volker Neumann ist ohne Rückendeckung vom Vorstand des Börsenvereins des deutschen Buchandels etwas vorgeprescht. Er soll zwar für gute Konditionen sorgen, jedoch sind seine Äußerungen ein wenig voreilig und wohl auch etwas brutal der Stadt gegenüber. Daß München nun sehr glücklich über einen solchen Gedanken ist, liegt auf der Hand. Doch wer weiß, wie lange die Konditionen, die jetzt im Raum stehen, auch eingehalten werden. Prinzessin Alexandra von Hannover ist Stadtverordnete der CDU im Frankfurter Römer, Vorsitzende des Kultur- und Freizeitausschusses sowie Mitglied des Haupt- und Finanzausschusses.

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