Kein Antisemitismus

Es gibt Menschen, die nach einem Erdbeben den Seismographen verprügeln. Dies kommt einem angesichts der Empörung in den Sinn, die in Israel, den USA und der EU anläßlich einer offiziellen Umfrage unter 7.515 „repräsentativen“ EU-Bürgern veranstaltet wurde. Eine Frage lautete, welches Land die größte Bedrohung für den Weltfrieden darstelle. Mit 59 Prozent erschien Israel an erster Stelle. Der Iran und Nordkorea kamen als Friedensbedroher auf „nur“ 53 Prozent – die USA rangierten gleichauf mit den „Schurkenstaaten“. Die wütende Reaktion der israelischen Regierung mag subjektiv verständlich sein. Dennoch sollte die überraschende Einstellung der Europäer nicht verwundern. Seit Jahren bekommen sie Tag für Tag grauenhafte Bilder aus den Palästinensergebieten zu sehen: Gesprengte Häuser, Panzer, die Mauern niederwalzen, verschüchterte Frauen und Kinder – und schwerbewaffnete israelische Soldaten. Das hinterläßt tiefes Unbehagen. Ist das Antisemitismus, oder spricht daraus Feindschaft gegen das jüdische Volk? Daß dem nicht so ist, ergibt sich aus der Tatsache, daß zugleich in der Umfrage eine deutliche Antipathie gegen den Iran als Hauptfeind Israels zum Ausdruck kommt. Was die Amerikaner betrifft, so hat sich – vermittelt durch Bilder aus dem Irak – europäisches Mitgefühl in Besorgnis und Abwehr verwandelt. Bevor aber pauschal Verdächtigungen in die Welt gesetzt werden, liegt zumindest die Frage nahe: Sollten sich die solchermaßen kritisierten Staaten nicht um ein freundlicheres Erscheinungsbild bemühen?

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