Gottloses Europa

Soll es in der künftigen EU-Verfassung eine explizite Erwähnung der christlichen Tradition Europas geben? Das Thema wird schon seit einigen Jahren in den EU-Gremien kontrovers diskutiert. Nun hat der Streit an Schärfe zugenommen, da die europäischen Verfassungspläne immer konkretere Formen annehmen. Dabei sollte es ursprünglich um die Feststellung einer historischen Selbstverständlichkeit gehen. Doch leider wurde diese Grundsatzfrage bislang auf EU-Konferenzen, Kongressen oder Sitzungen allenfalls als Randthema angesprochen. Die sich christlich titulierenden EU-Abgeordneten kämpften – wenn überhaupt – nur ganz verhalten für "ihre" Sache.

Jetzt scheint aber endlich bei einigen EU-Parlamentariern ein Sinneswandel eingetreten zu sein: Am 8. Oktober hielten christdemokratische und konservative Europaabgeordnete eine parlamentarische Sitzung zu diesem Thema ab. Sie kündigten an, sich am 25. Oktober im französischen Souvigny auf einem Kongreß dem Thema "Gott und Europa" zu widmen. Außerdem sollen bis Ende 2003 eine Million Unterschriften für einen christlichen Bezug im europäischen Grundgesetz gesammelt werden. Aber wer kann eigentlich etwas gegen das Christentum in der EU-Verfassung haben? Die Debatte zeigt einerseits, zu welchen Auswüchsen die Ideologie des Laizismus führen kann und andererseits, daß es zwischen dem historischen Europa und den heutigen EU-Institutionen einen so großen Graben gibt, daß es immer schwieriger wird, im zusammenwachsenden Europa dessen christliche Seele zu erhalten.

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