Blairs Wortspielerei

Eine starke Behauptung ist besser als ein schwacher Beweis!“ Diesen Grundsatz, der zumindest kurzfristig Erfolg garantiert, beherzigt der britische Premierminister Tony Blair mit einer Dreistigkeit, die schon fast wieder Respekt abnötigt. Vor dem Untersuchungsausschuß, der die Hintergründe des Todes von Regierungsberater David Kelly aufklären soll, versuchte Blair zu beweisen, daß er nicht die Dossiers seiner Geheimdienste über angebliche Massenvernichtungswaffen im Irak „sexier gemacht“ habe. „Wenn die Beschuldigungen wahr gewesen wären, hätte ich zurücktreten müssen“, erklärte er im Brustton der Überzeugung. Mit diesem spitzfindigen Satz kam Blair einerseits seinen Kritikern entgegen, indem er einräumte, daß solches Aufbauschen tatsächlich Grund für einen Rücktritt wäre. Andererseits legt der gewiefte Labour-Regierungschef den Schluß nahe, die Tatsache, daß er noch immer im Amt ist, beweise, daß jene „fundamentalen, ehrverletzenden Vorwürfe“, die von der BBC verbreitet wurden, falsch sind. Diese Schlußfolgerung ist zwar in sich schlüssig, aber deswegen noch lange nicht zwingend. Blair gebärdet sich als „Teflon-Tony“, an dem alle Vorwürfe abperlen. Doch Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen, mit denen Blair den Krieg gegen den Irak begründet hatte, sind noch immer nicht gefunden. Lediglich 22 Prozent der Briten halten nach einer Umfrage des Daily Telegraph die Blair-Regierung nach der Kelly-Affäre für „ehrlich und glaubwürdig“. Für andere ist Blair nicht nur durch einen Buchstabendreher zu „B-liar“, einem Lügner, geworden.

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