Antiken-Minister Mohamed Ibrahim stellt sich der Presse
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Arabellion
 

Ohne Deutschland geht es nicht

Seltsame Dinge sind geschehen. Damals, Ende Januar 2011, als mysteriöse Unbekannte im weltberühmten Ägyptischen Museum am Kairoer „Tahrir-Platz“ randalierten. Über Nacht war das bevölkerungsreichste arabische Land in eine Revolution geschlittert. Gleich nebenan stand die Parteizentrale der regierenden NDP lichterloh in Flammen – mit großer Wahrscheinlichkeit in Brand gesteckt von Provokateuren. Die mediale Aufbereitung wühlte die Ägypter auf – wie einst der Einschlag zweier Flugzeuge ins New Yorker Welthandelszentrum die Amerikaner. Fast drei Jahre später gilt die Ruine im Zentrum der Hauptstadt noch immer als Mahnmal der Ereignisse, die dem Militär dereinst Anlaß gaben, ihre Panzer aufzufahren.

Auf die Zerstörung soll ein Neuanfang folgen

Auf der 111. Jubiläumsfeier der pharaonischen Staatssammlung verkündet der neue Antikenminister Mohamed Ibrahim nun vor Journalisten die Pläne, den störenden Betonklotz abzureißen – und einen Park bis zur Nilpromenade anzulegen. Der „Schauplatz zweier Revolutionen“, so Ibrahim, müsse der Welt in ganzer Schönheit präsentiert werden – und ein „Revolutionsmuseum“ gehöre deshalb auch dazu. Die weltberühmte Totenmaske des Tutanchamun solle dagegen in eine neue Ausstellung bei den Pyramiden verlegt werden.

Angesichts des beinahe vollkommen kollabierten Tourismussektors bleibt die beabsichtigte Millionenfinanzierung vorerst wage: Die Zahl deutscher Urlauber ging 2011 noch vergleichsweise mäßig zurück – von 1,33 Millionen 2010 auf 960.000 (Statista 2013). 2012 war ihr Anteil schon wieder auf 1,2 Millionen geklettert, doch für das ablaufende Jahr sieht es düster aus. Vielleicht wird die Bundesregierung in die Bresche springen: Schon seit 2011 werden über den Kulturetat des Auswärtigen Amtes Restaurierungsarbeiten in der Sammlung des Ägyptischen Museums finanziert – mit bisher 475.000 Euro. Bei der gemeinsamen Begehung im Journalistentroß präsentieren deutsche und ägyptische Fachleute ihr jüngstes Projekt: Die Innenwände sollen neu gestrichen werden – mit bunten Eckmustern, so wie es 1902 bei der Einweihung war.

Mangelnde Achtung vor der nicht-islamischen Geschichte

Ehemalige NDP-Parteizentrale Foto: Billy Six
Ehemalige NDP-Parteizentrale Foto: Billy Six

Die Frage, wer für die Beschädigungen des Museums zu Revolutionsbeginn verantwortlich sei, wird nicht gerne gehört. Die stets vorgetragene Version lautet so: Unbekannte seien durchs Dach eingedrungen und hätten einige Artefakte mitgenommen ­– offiziell acht. Laut Wafaa el-Sadik, der ehemaligen Direktorin, fehlten jedoch bis heute 36 Gegenstände.

„Aber die Täter haben viele der Objekte in Plastiktüten später um das Museum herum verteilt“, so die Führer der Journalisten auf Nachfrage. „Wahrscheinlich hatten sie ein schlechtes Gewissen oder konnten die Artefakte nicht verkaufen“. Als Grund für die teils wahllose Randale, darunter die Zerstörung von Mumien, wird gesagt: „Es war Revolution. Da drehen Menschen nun einmal durch.“ Archäologin Wafaa el-Sadik, die als erste Frau unter Mubarak die Erlaubnis erhielt, die Antikensammlung von 2004 bis 2010 zu führen, spricht heute dagegen vom Werk Profi-Krimineller und bewußter Sabotage durch Sicherheitskräfte des Staates. Im Prozess gegen Ex-Innenminister Habib al-Adli gab Nachfolge-Direktor Tarik al-Awadi zu Protokoll, die Geheimdienste hätten sich während der Revolution im Museum einquartiert – und zeitweise gar ein Foltergefängnis unterhalten. Ob Märchen oder Tatsache – die Ereignisse bleiben unaufgeklärt.

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