KÖLN. Ermittler in Köln haben einen schriftlichen „Heiratsvertrag“ sichergestellt, mit dem ein Vater seine minderjährige Tochter an eine Kölner Clan-Familie verkauft haben soll. Das Dokument trägt die Überschrift „Heiratsverpflichtungen“ und regelt nach Erkenntnissen der Polizei den Kaufpreis, sowie weitere Bedingungen der Übergabe des Mädchens.
Brisant ist nach Angaben der Ermittler, daß es sich nicht um ein Einzelstück handelt. Der Vertrag liegt als vorgedrucktes Formular vor, in das lediglich Namen und Geldsumme eingetragen werden mußten.
Formular in weiteren Clan-Strukturen?
Aus Sicht der Strafverfolger deutet dies auf eine systematische Praxis im Clan-Milieu hin. Der Vertrag wurde im Zuge anderer Ermittlungen entdeckt und ausgewertet, wie die Bild-Zeitung berichtet. Die betroffene junge Frau hat bereits im April 2021 vor dem Kölner Landgericht als Zeugin ausgesagt. Damals ging es um ein Verfahren gegen Mitglieder eines Clan-Netzwerks, dem organisierte Kriminalität vorgeworfen wurde. Ihre Aussagen spielten dabei eine wichtige Rolle.
Nun müssen sich mehrere Angehörige der Familie wegen des Verdachts auf Menschenhandel vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob weitere vergleichbare Fälle existieren und ob das Formular auch in anderen Clan-Strukturen verwendet wurde. Ermittler schließen nicht aus, daß weitere Opfer betroffen sind. (rr)






