BERLIN. In Berlin bleiben bei Dauerfrost derzeit 90 der 280 Elektro-Busse in den Betriebshöfen. Denn ausgerechnet mit dem Modell, das der Umstellung der Verkehrsgesellschaft BVG den entscheidenden Schwung verleihen sollte, gibt es massive Probleme. Die Fahrzeuge des niederländischen Herstellers Ebusco zeigen Haarrisse an den Rahmen und mußten nun komplett außer Betrieb genommen werden.
Dabei war dieser Typ bei der Einführung im Jahr 2022 mit einem großen Pressetermin besonders gefeiert worden. Sogar der damalige Bundesverkehrsminister Volker Wissing war erschienen. Denn die Ebusco-Busse haben mit 290 Kilometern eine doppelt so lange Reichweite wie die bisher in Berlin fahrenden E-Modelle.
Aktuell sind in der Hauptstadt von den 1.600 Bussen 280 mit Batteriebetrieb unterwegs. Der Komplettausfall des Ebusco-Modells stellt die BVG gleich vor mehrere Herausforderungen. Sie verzichtet nun auf die Ausmusterung älterer, meist dieselbetriebener Fahrzeuge – „um den Betrieb stabil zu halten“, wie es in einer Mitteilung heißt.
Berlin muß Busse mieten
Außerdem mußte das landeseigene Unternehmen Busse leihen. Seit einer Woche sind bis zu 20 gemietete Busse für den U-Bahn-Ersatzverkehr in Berlin-Reinickendorf unterwegs. Dort fällt die U6 bereits mehr als drei Jahre aus, weil die Strecke generalsaniert wird.
Auch von ihrem Plan, bis 2030 die gesamte Flotte auf Elektromobilität umzustellen, hat sich die BVG verabschiedet. Die Schwierigkeiten der Transformation hatten die Berliner Verkehrsbetriebe total unterschätzt. Nun heißt es, in vier Jahren werden höchstens zwei von drei Bussen mit Batterien die Fahrgäste befördern. Das Ziel ist auf 2035 verschoben worden – allerdings nur mit einem Anteil von 80 bis 90 Prozent E-Bussen.
Grund ist dabei aber nicht die Reparaturanfälligkeit, sondern vor allem „die große Verspätung beim Bau von Betriebshöfen“. Erst 2027 sollen zwei eigens für E-Busse errichtete Anlagen fertig werden.
E-Bus-Hersteller vor der Pleite?
Die Schäden bei den Ebusco-Bussen treiben den Verantwortlichen aber auch Sorgenfalten auf die Stirn, weil das niederländische Unternehmen in großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt. Die Haarrisse sind ein Garantiefall. Aber ob Ebusco tatsächlich die Zusage einhalten kann, die 90 Fahrzeuge zu reparieren, steht in den Sternen.

Im Dezember konnte sich Ebusco nur durch einen kurzfristigen Überbrückungskredit von 5,1 Millionen Euro retten. Sonst hätten keine neuen Busse ausgeliefert werden können. Bereits zum 1. Mai muß der Kredit zurückgezahlt sein. Ob das gelingt, ist unklar. Laut dem Fachmagazin für Elektromobilität, „electrive.net“, hat Ebusco „durch Verzögerungen bei der Produktion“ zuletzt eine Reihe von E-Bus-Aufträgen verloren.
Ob das angeschlagene Unternehmen tatsächlich die Mittel hat, um die aufwendigen Berliner Garantiefälle zu erfüllen, scheint ungewiß. Sollte der Hersteller ausfallen, müßte die hochverschuldete BVG für die Schäden selbst aufkommen. Die Umstellung auf E-Mobilität hätte das Unternehmen dann finanziell noch weiter zurückgeworfen. (fh)





