Keineswegs Vernichtungskrieger

Die Staats- und Wirtschaftspolitische Gesellschaft (SWG) beschäftigte sich auf ihrem diesjährigen Tagesseminar mit dem Thema „Zweiter Weltkrieg – Deutsche Soldaten unter anderen Völkern“. Mehr als 130 Personen wollten den Erörterungen über das Verhalten der Wehrmacht in den besetzten Ländern in Hamburg Ende Februar folgen. Der Historiker Stefan Scheil befaßte sich mit der Wehrmacht als Besatzungsmacht in Skandinavien und Frankreich. Im Norden und Westen blieben die Regierungen im Land, so daß die deutsche Seite Verhandlungspartner hatte, wodurch eher normale Verhältnisse geschaffen werden konnten. Dänemark konnte bei der Betrachtung außen vor bleiben, weil es zwischen Deutschland und dem Königreich keinen Kriegszustand gab und die innenpolitischen Verhältnisse weitgehend unberührt blieben. Das Verhältnis zwischen deutschen Soldaten und der Bevölkerung war in den ersten Jahren überwiegend spannungsfrei, bis aus Großbritannien Saboteure eingeschleust wurden, die nach dem Willen Winston Churchills „ganz Europa in Brand setzen“ sollten. Anschläge auf die deutsche Besatzungsmacht wurden im Rahmen des Kriegsvölkerrechts geahndet, wobei es auch zu Härten kam. Das vergiftete die Atmosphäre nachhaltig. Scheil wies darauf hin, daß es sich in den letzten Kriegsjahren auch um einen innerfranzösischen Bürgerkrieg handelte. Oradour kann bis heute als ungeklärt gelten, da die französische Seite die amtlichen Unterlagen immer noch nicht freigegeben hat.

Daniel Heintz, der mit seinem Buch „Größte Zumutung – Vergehen gegen die historische Wahrheit“, womit er den Titel der jüngsten aus Polen stammenden Anti-Wehrmacht-Schau über Verbrechen der Wehrmacht in Polen persiflierte, befaßte sich mit dem Verhalten deutscher Soldaten auf dem Balkan und in Polen. Er bestritt, daß der Feldzug gegen Polen ein „Vernichtungskrieg“ war. Die Wehrmacht habe dergleichen nicht geplant, wie Heintz‘ umfangreiche Studien im Bundesarchiv ergaben. Zwar gab es im Kriegsverlauf polnische Partisanen, gegen die mit Härte vorgegangen wurde, doch wies Heintz darauf hin, daß auch nicht wenige Polen gegen die sowjetisch inspirierten Freischärler kämpften. Daß Sühnemaßnahmen gegen Partisanen rechtens waren, belegt die damalige Völkerrechtssituation.

Partisanenkrieg wurde oft von Alliierten angefacht

Griechenland war dagegen nie in konkrete Planungen einbezogen, da man dort dem italienischen Bündnispartner zu Hilfe kam. Probleme zwischen der Wehrmacht und der griechischen Bevölkerung gab es zunächst auch nicht. Als es zu Ernährungsschwierigkeiten kam, investierte die Besatzungsmacht sogar aus eigenen Mitteln in die Infrastruktur und den Wiederaufbau. Auch hier wurde der eskalierende Partisanenkrieg mit Kriegsverbrechen beider Seiten von den Westalliierten, in Serbien von der Sowjet-union, angefacht und unterstützt.

Der Münchner Historiker Walter Post befaßte sich mit der Sowjetunion und Italien. Zwar hatte bereits das Zarenreich internationale Verträge unterschrieben, die den Rahmen des internationalen Kriegsvölkerrechts bildeten, doch hatte die sowjetische Regierung schon vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges alle Verträge und Gesetze des Zarenreiches für ungültig erklärt. So hielt sich die UdSSR nicht an die Haager Landkriegsordnung und an die Gesetze zum Schutze der Kriegsgefangenen, was sich dann gerade im Partisanenkrieg schrecklich ausgewirkt habe. Gegen die Behauptung, das Ziel des nationalsozialistischen Deutschen Reiches sei nicht nur die Beseitigung des Kommunismus, sondern auch die Ausrottung des russischen Volkes gewesen, spräche die Tatsache, daß bis 1943 dem besetzten Teil der Sowjetunion Wirtschaftshilfe beträchtlichen Ausmaßes gewährt wurde, um die fatalen Auswirkungen der Politik der „verbrannten Erde“ der zurückweichenden Roten Armee von 1941 zu lindern. Nachdem Italien im Sommer 1943 die Seiten gewechselt hatte, gab es zwei Italien – eins auf seiten der Alliierten, eines an deutscher Seite. Es entwickelte sich ein inneritalienischer Partisanenkrieg mit königstreuen und kommunistischen Freischärlern, aber auch kriminelle Banden spielten eine verhängnisvolle Rolle. Wer für die begangenen Kriegsverbrechen verantwortlich ist, die heute pauschal der Wehrmacht zugeschrieben werden, ist nicht immer geklärt. Nach dem Krieg erließ Italien zudem eine Amnestie, die aber nur für Landsleute und nicht für Deutsche gelten sollte.

Alle Referenten nannten zahlreiche ausnahmslos ausländische Quellen, in denen die Ritterlichkeit und Disziplin der Wehrmachtssoldaten hervorgehoben wird. Diese Urteile ehemaliger Kriegsgegner dürften jedoch von vielen Meinungsführern in der Bundesrepublik heute eher mit Unbehagen zur Kenntnis genommen werden.

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