Verhöhnung

Am 12. Mai 1945 wollten die US-Soldaten die unbefestigte Stadt Schwelm in Südwestfalen besetzen. Einige mutige Bürger hatten bereits weiße Fahnen gehißt. Durchziehende deutsche Soldaten zwangen diese Bürger, die weißen Fahnen wieder hereinzuholen. Als Antwort auf diese Handlungen beschossen die Amerikaner etwa 24 Stunden diese Stadt ohne Gegenwehr. Eine schwere Granate traf unter anderem unseren Keller, der als Luftschutzunterkunft mit Holzstempeln ausgebaut war, und tötete darin vier Zivilisten, darunter auch meinen Vater. Große Splitter dieses Mordinstruments zeige ich noch heute interessierten Freunden als Dokument. So kam es, daß die Alliierten mir als 16jährigem Schüler meinen Vater und familiären Versorger nahmen. Der starke Hunger trieb zwei Tage später meinen Freund und mich zu einem Haus, welches von den Amerikanern besetzt war. Wir versuchten, eine kleine Flasche mit Schnaps, welche nach dem Beschuß übriggeblieben war, gegen für uns existenziell wichtige Lebensmittel einzutauschen. Ein US-Soldat entriß mir diese Flasche und lachte mich mit seinen Kameraden aus. Die Flasche wurde von den Soldaten sofort ausgetrunken, und wir wurden mit knurrendem Magen ohne Kommentar fortgejagt. Verstanden das die Amerikaner unter Befreiung? Besonders hatte uns Hungerleidende erzürnt, daß die nicht von den amerikanischen Soldaten verzehrten Lebensmittel weggeworfen wurden. Mein Begriff von Befreiung ist und bleibt ein vollständig anderer! Herbert Hilpert, Schwelm

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