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Todesmärsche aus Berlin

Es war die Gefangennahme am Morgen des 2. Mai 1945 auf dem Stettiner U-Bahnhof, den wir nach durchkämpfter Nacht vom Brandenburger Tor aus durch den U-Bahnschacht erreichten, als ich miterlebte, daß tapfere Kameraden der SS-Leibstandarte, Führerbegleit-Kompanie und SS-Division „Nordland“ ihrem Leben selber ein Ende setzten, weil der Russe uns erneut zur Aufgabe aufforderte und ein Weiterkommen (wohin?) nicht mehr möglich war. Mit dem Rest dieser einst stolzen und tapferen Truppe stolperte ich die Treppen hoch in die Arme des Feindes. Was dann folgte, war nicht nur der entwürdigende Marsch vorbei an einer teilweisen haßerfüllten und feiernden Bevölkerung aus dem roten Berlin, an der wir verschmutzt und erschöpft aus der Stadt geführt wurden, sondern es steigerte sich mit Brutalität, Grausamkeiten und Haß unserer Bewacher auf den Ausfallstraßen in Richtung Wriezen. Im Siegesrausch, angetrunken und völlig außer Kontrolle, sperrten sie uns bei Anbruch der Dunkelheit in enge Kelleräume, holten sich aus unseren Reihen ihre Opfer und mordeten unter Gegröle und den Schmerzenschreien der Sterbenden, was wir mithörten und am Morgen auch zu sehen bekamen. Der nicht enden wollende Fußmarsch bis Küstrin, gezeichnet von vergangenen Kriegshandlungen, noch mehr aber von den erschossenen Gefangenen aller Waffengattungen, die im Straßengraben lagen, wurde nur am Abend unterbrochen, wenn in irgendeinem Gehöft sich Kolonnen sammelten. Und wieder begannen dann die Durchsuchungen nach Uhren, Schmuck und Goldzähnen was hin bis zu Fingerverlusten führte, wenn Ringe sich nicht mehr abstreifen ließen. Am Tage ging es dann weiter, den russischen Nachschubkolonnen entgegen. An den warmen Maientagen wurde ein Weiterkommen ohne Wasser für die verwundeten oder älteren Soldaten immer schwieriger. Obwohl aufgemuntert von den Jüngeren, teilweise auch gestützt nach hinten gereicht, kamen sie immer mehr an das Ende des Zuges, um dort von der letzten Bewachung erschossen zu werden. So war der Weg von Kolonne zur Kolonne mehr gezeichnet von einer unvorstellbaren Brutalität der Rotarmisten, es wurde ein unvorstellbarer Todesmarsch. Russische Offiziere versuchten immer wieder, diese Situationen unter Kontrolle zu bekommen, in dem sie auch bestraften. Waren sie aber verschwunden, setzte ein noch verstärkter Sadismus ein. Als unsere Truppe irgendwann eine größere Brücke überquerte und endlich Wasser in erreichbarer Nähe auftauchte, sprangen verzweifelte Gefangene hinunter, um gleich im Kugelhagel zu versinken. Bevor wir das erste Lager in Küstrin erreichten, empfingen uns Soldaten des Antifaschistischen Komitees und verkündeten, es solle sich ja keiner krank oder behindert melden, derjenige würde umgehend erschossen. So zog ich als 17jähriger für fünf Jahre in die russische Kriegsgefangenschaft. Klaus Grotjahn, Bielefeld

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