Millionen Jugendliche vor dem Selbstmord retten

Eines der meistgehaßten Lebewesen auf dieser Erde dürfte das Propionibakterium sein. Es löst Entzündungen in verstopften Poren aus und produziert Pickel. Warum gibt es solche unangenehmen Tierchen überhaupt? Gerade wenn die Jungens sich stark fühlen und die Androgene so richtig in ihrem Blut schäumen, kommen auch die Pickel und machen aus hübschen Knaben häßliche Pubertierende. Ob dem Patienten damit gedient ist, Akne als eine seriöse Krankheit anzuerkennen, bleibt die Frage. Auf jeden Fall hat die Akne-Forschung – in der Hoffnung auf einen riesiger Markt – endlich das Erbgut von Propioni mit 2.333 Genen und immerhin zweieinhalb Millionen Basenpaaren entschlüsselt und ist nun in der Lage, einen Impfstoff zu entwickeln. Während die derzeitige Therapie mit Tetrazyklinen, also Antibiotika, nur die vorhandenen Entzündungen bekämpft, bedeutet die Impfung eine gründliche Vorbeugung. Trotzdem wird die Hautbeschaffenheit nicht unbedingt ideal werden, denn die üblen Voraussetzungen bleiben ja bestehen: zu viel Talg, zu starke Verhornung. Wie man jetzt weiß, zerschneidet das Bakterium mit Vorliebe die Fettmoleküle in kleine Teilchen, dazu benutzt es eigene Enzyme. Daran lagern sich sofort andere Bakterien, die auf der Haut zahlreich wimmeln – besonders wenn ihr Besitzer sich ständig mit schmutzigen Händen im Gesicht herumfährt. Aber auch penible Sauberkeit und die vielen Waschpräparate (Klassiker „Clearasil“) nützen nicht viel, weil das Übel – wie meist – von innen kommt. Daher probierte man zeitweise Diäten und verbot jede Süßigkeit, was nachweislich nichts mit der Entstehung von Akne zu tun, aber vielen Jugendlichen zusätzlich die Laune verdorben hat. Besonders unschön sind die Merkmale an weiblichen Wangen und Stirnen, doch auch Frauen verfügen über „männliches“ Testosteron. Hormone sind etwas so Heikles, daß man sie auch als „zweites Nervensystem“ bezeichnet hat. Sie beeinflussen Stimmungen, aber auch ganz Handfestes wie Busen- oder Bartwuchs. Während das ausschließlich weibliche Östrogen den Zyklus regelt und die Gebärmutter vorbereitet, dürfte das sexuelle Verlangen der Frau vor allem vom Testosteron gesteuert sein. Also klar, daß auch Mädchen in der Pubertät manchmal zu Akne neigen. Für sie gibt es aber bereits ein gutes Gegenmittel: die Antibaby-Pille mit einem „antiandrogenen“ Faktor. Zwar könnte dieser auch die Lust bremsen, doch ein Pickelgesicht schmälert die sexuellen Chancen garantiert mehr. Neuerdings gibt es immer mehr Frauen über dreißig mit Akne, was besonders traurig ist, weil danach gleich die Falten anfangen. Zu tun hat das wahrscheinlich mit zuviel Fitness-Studio und Berufsstreß. Denn in den weiblichen Rundungen sammelt sich auch Östrogen – und die aggressive Atmosphäre fördert garantiert die Produktion männlicher Hormone.

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