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Neue Technologien: „Vorgeburtliches Leben in anderen Kulturen“ (Jahrestagung Nationaler Ethikrat)

Auf der Jahrestagung des Nationalen Ethikrats vor einigen Wochen beschäftigte man sich mit dem „Umgang mit vorgeburtlichem Leben in anderen Kulturen“. Schon diese Formulierung ist westlich dominiert, denn um vorgeburtliches Leben allgemein kann es im strengen Sinne nur bei den Hindus und Buddhisten gehen. In der jüdisch-christlichen Tradition handelt es sich ausschließlich um menschliches Leben, das stillschweigend mit dem Leben überhaupt gleichgesetzt wird, so daß andere Lebewesen in der Fragestellung gar nicht mehr vorkommen. Diese anthropozentrische Sichtweise gilt auch für den Islam, wo aber die Verschmelzung von Ei und Samenzelle noch nicht den Beginn des Menschen ausmacht, sondern ein späterer Zeitpunkt, über den sich die einzelnen religiösen Schulen nicht einig sind. Abtreibung ist jedenfalls verboten, wird aber zum Beispiel im Libanon ähnlich häufig praktiziert wie in Europa. In Israel datiert man die Beseelung ziemlich genau auf den 40. Lebenstag, daher hat dieses Land keine Probleme damit, Embryonen für die Stammzellforschung zu exportieren. Voraussetzung ist die künstliche Befruchtung, die in Israel auch deshalb häufig in Anspruch genommen wird, um vor der Einpflanzung in die Gebärmutter schon schwere Erbkrankheiten erkennen und die betreffenden Embryonen ausmustern zu können – ein Verfahren, das in Deutschland bislang nur für erblich vorbelastete Paaren gestattet ist. Auch die Selektion von weiblichen Embryonen in Indien ist seit 1994 verboten. Geht man von religiösen Traditionen aus, so müßte in Indien und auch in China jede Abtreibung strengstens verboten sein. Der Konfuzianismus und noch mehr der Buddhismus lehren eine tiefe Ehrfurcht vor der Natur insgesamt, was sich auch im Glauben an die Seelenwanderung ausdrückt. Buddhistische Mönche dürfen buchstäblich keiner Fliege etwas zuleide tun. Der Vorsitzende des Nationalen Ethikrats, Spiros Simitis, zieht nach der Tagung ein skeptisches Resümee: Ein Minimalkonsens der Weltreligionen läge bei den fundamental unterschiedlichen Vorstellungen wohl noch weit in der Zukunft. Trotzdem versucht man aber in der Uno seit Jahren, ein weltweites Verbot des reproduktiven Klonens durchzusetzen. Eine ethische Debatte findet über Kulturgrenzen hinweg statt. In der Ablehnung des gentechnischen Eingriffs in die menschliche Keimbahn ist man sich sogar einig. Allerdings dürften solche Übereinstimmungen weniger dem religiösen Konsens geschuldet sein als einer gewissen Solidarität aller Menschen gegenüber etwaigen Angriffen auf ihr Heiligstes, worunter jeder doch schließlich die eigene Art versteht. Spätestens mit dem „Kind in der Krippe“ vergöttlicht der Mensch sich so sehr, daß nichts Höheres mehr gilt. Doch diese Stellung haben alle Götzen zu ihrer Zeit beansprucht und irgendwann verloren.

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