Klaus-Rüdiger Mai Die Zukunft gestalten wir!

 

Koexistenz unmöglich

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) stellte kürzlich eine Untersuchung vor, der zufolge gentechnisch veränderte Lebensmittel beim deutschen Verbraucher „gute Chancen“ hätten, solange sie nur preiswert genug – im Durchschnitt über die Hälfte billiger – seien. Fragwürdig an den Ergebnissen der Mannheimer Erhebung ist nicht nur der wenig repräsentative Stichprobenumfang von 164 Befragten. Zweifelhaft ist auch, und zwar in weiten Teilen der Bevölkerung, das beurteilungsrelevante Hintergrundwissen zum Thema Agro-Gentechnik. Zur Vertiefung desselben könnte eine im niederländischen Journal of Agricultural and Environmental Ethics vorgestellte Studie spanischer Wissenschafter beitragen, deren Quintessenz lautet: „Gen-Mais verdrängt Bio-Mais“. Hauptproblem, so die Forscher der Universität Barcelona, sei die fehlende Infrastruktur zur Trennung der Saaten. 1999 startete in Spanien der Anbau von Bt-Mais, der heute in Katalonien auf über 23.000 Hektar und damit 55 Prozent der gesamten Kultivierungsfläche für Mais erfolgt. Die eingleisige Infrastruktur der Maisprodukte verarbeitenden Genossenschaften führe zu unvermeidlichen Vermischungen, die ganz im Sinne der Agro-Gentechnik-Konzerne lägen. In Aragon sei die Anbaufläche für Bio-Mais seit Beginn des Gentechnik-Anbaus, der in der Region heute 36.000 Hektar umfaßt, um 75 Prozent zurückgegangen, berichten die Wissenschaftler. In Katalonien betrage der Flächenrückgang bislang fünf Prozent. Für Rosa Binimelis vom Institut für Umweltwissenschaften der Uni Barcelona (ICTA) alles Indizien einer „unmöglichen Koexistenz“ zwischen biologischer und genmanipulativer Landwirtschaft. Das gilt nicht nur für Spanien.

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