Energetische Einbahnstraße

Mitte September fand in Kopenhagen eine dreitägige Konferenz mit dem schlichten Titel „Kraftwerke 2003“ statt. Aus etlichen Ländern waren Vertreter der europäischen Kraftwerksbetreiber und -hersteller zusammengekommen, um sich darüber zu beraten, wie die in den kommenden Jahren anstehende Modernisierungswelle aussehen soll. Denn neben den Kraftwerken, die vor drei Jahrzehnten in Betrieb gingen und jetzt dringend einer umfassenden Erneuerung bedürfen, erfordert der gestiegene Energiehunger „fortschrittlicher“ Lebensart zusätzliche – neue – Kraftwerke. Gigantische Bauaufträge mit Milliardenumsätzen harren ihrer Verteilung und da ist es nur logisch, wenn die unmittelbar Beteiligten die Rahmenbedingungen festlegen wollen. Im Anschluß an die Konferenz verabschiedete man daher eine „Kopenhagener Erklärung“, in der man in acht Punkten eine Wunschliste der Industrie zusammenstellte. Leider versprechen einzelne Punkte nichts Gutes für die einzig zukunftsträchtige Solarenergie. So heißt es dort unter anderem: „Chancen und Potentiale der verschiedenen Energieträger und Stromerzeugungstechniken sollen unvoreingenommen und ideologiefrei“ bewertet werden. Oder: „die technischen Optionen für eine diversifizierte Primärenergieträgerstruktur sollen ohne Ausnahme“ offengehalten werden und „Forschung und Entwicklung sollten in allen Bereichen der Stromerzeugungstechnik unvoreingenommen“ gefördert werden. Dies Sätze bedeuten schlicht, daß an Kohle, Erdöl und Atom als Energieversorger der Menschen nicht gerüttelt werden darf. Mit einer „unvoreingenommenen“ Betrachtung hat der Weg in die fossile Energieeinbahnstraße allerdings nichts zu tun.

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